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Die Schattenseiten des Internets - wenn das Handy unglücklich macht

Du kannst dein Handy einfach nicht weglegen? Hier erfährst du, wie du dich entspannst.

Wir sollten nicht ständig auf unser Handy schauen.
von Kim Bowery
24.06.2020

Bevor du den Beitrag liest: Dieser Artikel enthält sensible Inhalte, die bei dir womöglich etwas auslösen oder anstoßen könnten

"Leg doch mal das Handy weg!" Das ist so eine Aufforderung, die man echt ungern hört, denn mittlerweile gehört das Smartphone einfach zu uns. Unser ganzes Leben spielt sich in diesem kleinen Gerät ab: Wir organisieren Termine, haben Kontakt mit Freunden, schauen Videos, hören Podcasts, lesen Nachrichten und so viel mehr.

Dass das ständig mit-der-ganzen-Welt-verbunden-sein Vorteile hat, ist klar, aber es kann auch eine Belastung sein ständig mitzubekommen was überall sonst gerade passiert.

Du fühlst, was andere fühlen

Wir Menschen sind dazu „gebaut“ empfinden zu können, was andere empfinden: In unserem Gehirn gibt es dafür extra Nervenzellen, die sogenannten Spiegelneuronen. Wenn du also siehst, dass sich jemand den Fuß stößt, verspürst du kurz denselben Schmerz, wie wenn du dir selbst den Fuß gestoßen hättest.

Und wenn du regelmäßig siehst, was gerade alles Schlimmes auf der Welt passiert – sei es über Nachrichten oder Videos auf Instagram – empfindest auch du negative Emotionen. Damit will ich nicht sagen, dass du das Leid und die Ungerechtigkeit der Welt komplett ausblenden solltest, aber vielleicht hilft es dir ab und an mal die Welt „stumm zu schalten“.

Deine fundamentalen Bedürfnisse bleiben auf der Strecke

Wer kennt es nicht? Man will eigentlich nur kurz ein Video auf TikTok oder Youtube schauen und schon kommt man von einem zum Nächsten und plötzlich sind zwei, drei, vier Stunden vergangen. Das Internet ist manchmal wie ein Sumpf, in dem wir langsam versinken. Und das ist genau das, was viele Anbieter auch wollen – sie designen Algorithmen so, dass du möglichst lange dabei bleibst, und schlagen dir immer wieder Dinge vor, die dich auch interessieren könnten. Denn je mehr Zeit du dort verbringst, umso mehr Geld verdient das Unternehmen.

Wahrscheinlich hast du in der Zeit kein einziges Mal daran gedacht, wie es dir gerade geht. Hast du genug Zeit zu schlafen? Hast du gut und gesund gegessen? Hast du genug getrunken? Hast du geduscht? All das sind Dinge, die dein Körper und deine Psyche viel mehr benötigen, als das 50. TikTok Video.

FOMO - Die Angst etwas zu verpassen

Vielleicht hast du schon einmal etwas von der fear of missing out (dt. Angst etwas zu verpassen), oder kurz FOMO, gehört. Aber selbst, wenn du noch nichts davon gehört hast, hast du es sicher schon mal empfunden. Manchmal schaut man sich die Stories von anderen an und denkt sich: "Wieso bin ich da nicht?“ oder "Wow, die machen so tolle Sachen und ich muss hier sitzen und lernen.“

Und plötzlich bekommst du Angst, dass du alles, was Spaß macht, verpasst. Oder du checkst lieber nochmal dein Handy. Vielleicht hat dich jemand gefragt, ob du bei irgendetwas Coolem dabei sein willst. Klar, wenn man ständig mit der ganzen Welt verbunden sein kann, bedeutet das ja auch, dass man ständig die potenzielle Möglichkeit hat, ein Highlight zu erleben. Aber die Wahrheit ist: Das Leben besteht nicht nur aus Highlights, auch nicht für die Leute, deren Story du gerade gesehen hast (die haben vielleicht in der Woche vorher für eine wichtige Prüfung gelernt und gönnen sich deshalb einen Tag am See).

Es gibt immer mal wieder Phasen im Leben, die mehr mit Anstrengung oder Langeweile verbunden sind, aber dafür wirst du es umso mehr zu schätzen wissen, wenn du danach wieder etwas Schönes erlebst. Also hab keine Angst, etwas zu verpassen – manchmal braucht man auch eine Highlight-Pause.

Schaut, wie toll ich bin!

Nicht nur zeigen wir im Internet oftmals nur die Höhepunkte unseres Lebens, auch wollen wir, dass andere denken, dass wir besonders schön, witzig oder intelligent sind. Das Problem dabei ist allerdings, dass man oft nicht unbedingt die ganze Wahrheit sieht.

So ist es zum Beispiel relativ einfach, einen Filter über ein Bild zu machen, oder nur von der erhaltenen Praktikumsstelle zu erzählen und nicht von den zwölf Absagen vorher. Und du schaust dir dann im Internet dieses bearbeitete und schön gefärbte Leben der anderen an und denkst dir vielleicht „So schön will ich auch sein.“ Oder „Wieso bin ich nicht so talentiert?“. Aber soll ich dir was verraten? Dieser Vergleich mit anderen wird dich nicht viel weiterbringen, wenn du jeden Tag eine Stunde frustriert im Internet das “Talent” oder die “Schönheit” von anderen Menschen beobachtest – im Gegenteil! Auch das ist ein Teil des Internets, der dich unglücklich machen kann. Lerne, das zu schätzen, was du hast, und arbeite für deine eigenen Erfolge. Das ist das viel effizientere Rezept für ein glückliches Leben.

Theodore Roosevelt, der ehemalige Präsident der USA, hat schon gesagt „Comparison is the thief of joy“ (dt. Der Vergleich ist der Dieb der Freude.), also lass den Freudedieb beim nächsten Mal gar nicht erst in die Wohnung.

Tipps zum Umgang mit den Nachteilen

Versteh mich nicht falsch, auch ich liebe das Internet und all seine Möglichkeiten. Mein Vorschlag ist nur, einen gesunden Umgang damit zu finden und die Menschen in deiner Nähe, Situationen, die vor deiner Nase passieren und deine Bedürfnisse an erste Stelle zu stellen.

Hier sind fünf Ideen, um die Nachteile des Internets ein bisschen zu minimieren:

  1. Beschränke deine Zeit für soziale Medien. Das können die meisten Handys und wenn nicht gibt es Apps, die das kontrollieren können.

  2. Entfolge Menschen, die dir nicht guttun, weil du dich ständig mit ihnen vergleichst.

  3. Richte dir feste Internetzeiten ein. Teile die auch deinen Freunden mit, damit sie wissen, wann sie dich erreichen können.

  4. Leg dir einen Wecker zu und lade dein Handy außerhalb des Zimmers, damit du morgens nicht gleich in Versuchung kommst.

  5. Frage dich öfter, nachdem du länger im Internet warst: Hat das gerade Spaß gemacht? Oder hätte ich in der Zeit auch etwas Schöneres machen können?

Ich bin mir sicher, du bekommst das hin!

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