Psychotherapie

Wege in die Psychotherapie - wo und wie bekomme ich Hilfe?

Vielen fällt der Weg in eine Psychotherapie schwer, vor allem weil sie sich schämen oder Angst haben. Doch das muss nicht sein. Hier erfährst du, was dich erwartet.

Viele Jugendliche wissen nicht, wo sie Hilfe bekommen.
von Tizian Zagermann
25.08.2020

Bevor du den Beitrag liest: Der Artikel enthält sensible Inhalte, die bei Dir womöglich etwas auslösen oder anstoßen könnten.

Vielen Kindern und jungen Erwachsenen fällt der Weg in die Psychotherapie äußerst schwer, vor allem weil sie sich davor schämen, Angst haben oder aus Mangel an Informationen. Was ist Psychotherapie eigentlich und wie läuft sie ab? Welche Arten von Psychotherapie gibt es? Müssen deine Eltern davon erfahren und zustimmen? Darf die Psychotherapeut*in mit deinen Eltern über das besprochene reden? Kann ich ohne weiteres eine Psychotherapie beginnen? Wie finde ich eine Psychotherapeut*in? Hier erfährst du, wie du am besten an eine Therapie kommst und was dich erwartet.

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist im Grunde die Untersuchung und Behandlung von psychischen Problemen, aber auch von körperlichen Beschwerden mit psychischen Ursachen. Es gibt viele Gründe, warum man eine Psychotherapie starten kann. Zum Beispiel, weil man sehr häufig traurig ist, Ängste hat, Schlafstörungen hat, Probleme mit den Eltern, sich wertlos fühlt oder denkt, dass das Leben hat sowieso keinen Sinn mehr hat.

Während einer Psychotherapie beschäftigst du dich vermehrt mit diesen Problemen und schwierigen Themen, die negative Gefühle auslösen können. Das kann auch manchmal anstrengend und beängstigend sein, sich den eigenen Schwierigkeiten zu stellen! Jedoch ist der*die Psychotherapeut*in dafür da, dich durch diese oftmals schweren Themen zu begleiten, du bist also damit nicht mehr alleine. Insgesamt sollte dir die Psychotherapie aber Hoffnung, Mut und Orientierung für die Zukunft schenken. Ziel ist es zu verstehen, warum es dir so geht und dann Lösungen zu finden.

Was ist der Unterschied zwischen einer Psychotherapie und Beratung?

Ziel einer Beratung ist es, dir kurzfristig Hilfestellung in akuten Situationen zu geben. Beratungen können auch themenspezifisch sein und dich zum Beispiel in einem Fall von sexuellen Missbrauch konkret und professionell begleiten. Beratungen sind in der Regel auf einige Stunden begrenzt. Psychotherapien sind meist längere Prozesse, die auf die Behandlung von spezifischen psychischen Problemen abzielen.

Im Fall von krisenchat.de handelt es sich um eine Online-Beratung, bei der wir versuchen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von bis zu 25 Jahren durch akute Krisensituationen zu helfen. Unser Ziel ist es, dich nicht nur akut zu unterstützen, sondern auch gemeinsam mit dir Wege zu finden, wie du dir in Zukunft Selbst helfen kannst, oder gegebenenfalls Hilfe suchen kannst.

Ab 15 Jahren brauchst du keine Einwilligung der Eltern

Müssen meine Eltern davon erfahren, zustimmen oder sind sie teil von der Therapie? Bist du 15 Jahre oder älter, brauchst du keine Einwilligung deiner Eltern um eine Psychotherapie zu beantragen. Es ist trotzdem oft in deinem Sinne, deine Eltern über deine Schritte zumindest zu informieren, so kann die Therapeut*in gegebenenfalls einmal mit diesen reden, um so einen besseren Einblick in deine Lebenssituation zu gewinnen. Bist du jünger, brauchst du die Einwilligung deiner Eltern. Je nach Therapierichtung und Problemlage finden auch Elterngespräche statt.

Du brauchst dir keine Sorgen machen, dass deinen Eltern oder anderen Personen Informationen über dich und das gemeinsam Besprochene weitergegeben werden könnten, da Psychotherapeut*innen genauso wie Ärzt*innen und Anwält*innen einer gesetzlichen Schweigepflicht unterliegen. Von dieser können sie nur von dir selbst in schriftlicher Form befreit werden oder wenn dein Leben akut in Gefahr ist.

Wie ist der Weg in die Psychotherapie?

Der erste Kontakt ist per E-Mail oder Telefon. Dort beschreibst du kurz deine aktuelle Situation, mit dem Wunsch nach einer Therapie. Der*Die Therapeut*in meldet sich dann bei dir. Du benötigst keine Überweisung von deinem*deiner Hausarzt*Hausärztin oder Psychiater*in.

Beim Erstgespräch, dem ersten Treffen mit dem*der Psychotherapeut*in, geht es neben dem Kennenlernen vor allem darum, dass er*sie sich ein erstes Bild von dir und deiner Situation macht und auch erste Formalien bespricht. Sollte der*die Psychotherapeuth*in eine Therapie für sinnvoll halten, kommt es zu fünf Probesitzungen, in denen ihr schaut, ob die “Chemie” zwischen euch stimmt.

Die Dauer der Therapie ist unterschiedlich

Wenn ihr euch dazu entscheidet eine Therapie zu starten wird der*die Therapeut*in, gemeinsam mit deiner*deinem Hausarzt*Hausärztin oder Kinderarzt*Kinderärztin, einen Antrag für die Krankenkasse erstellen. Für kurze Therapien (zwölf Stunden) geht das auch ohne die*den Hausärztin Hausarzt. Grundsätzlich übernehmen in Deutschland alle gesetzlichen und viele private Krankenkassen (privat nur einen Anteil) die Kosten für eine Psychotherapie.

Ist das passiert, beginnt erst die eigentliche Therapie, die je nach Form zwischen 25, 50 oder auch 80 Sitzungen dauert. Sollte es notwendig sein, lässt sich die Dauer dieser aber auch verlängern. Wie die Therapie inhaltlich aufgebaut ist, hängt ganz von der Art und Weise der Behandlung ab. In der Regel finden dann 1-2 Gespräche pro Woche statt.

Die Möglichkeit, sich selbst besser zu verstehen und kennenzulernen und dabei die eigenen Probleme in den Griff zu bekommen, macht Psychotherapie zu einer wundervollen Chance, die jeder wahrnehmen kann und auch sollte.

Wie finde ich eine Psychotherapeut*in?

Einen Platz für eine Psychotherapie zu finden ist nicht immer einfach, da viele Menschen diese Art von Unterstützung in Anspruch nehmen wollen. Es gibt verschiedene Onlineportale, über die du Psychotherapeut*innen finden kannst, eine gute Übersicht bietet dir zum Beispiel die Seite www.therapie.de, oder https://psych-info.de/ oder du gibst in die Suchmaschine folgendes ein: “Psychotherapie für Kinder - und Jugendliche + deinen Wohnort”

Ansonsten bieten die Psychotherapeutenkammern der jeweiligen Bundesländer in der Regel auf ihren Internetseiten einen Suchdienst an, der dir bei der Suche nach einer passenden Psychotherapeut*in in deiner Umgebung zur Seite steht.

Hierfür haben wir dir nachfolgend eine Liste aufgeführt:

Baden-Württemberg

www.lpk-bw.de

Bayern

www.ptk-bayern.de

Berlin

www.psychotherapeutenkammer-berlin.de

Bremen

www.lpk-hb.de

Hamburg

www.ptk-hamburg.de

Hessen

www.ptk-hessen.de

Niedersachsen

www.pknds.de

Nordrhein-Westfalen

www.ptk-nrw.de

Ostdeutschland

Brandenburg - Mecklenburg-Vorpommern - Sachsen - Sachsen-Anhalt - Thüringen

www.opk-info.de

Rheinland-Pfalz

www.lpk-rlp.de

Saarland

www.ptk-saar.de

Schleswig-Holstein

www.pksh.de

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