Mobbing

Mobbing – wo Ärgern aufhört

Wann wirst du gemobbt und wie kannst du darauf reagieren? Hier findest du die wichtigsten Antworten.

Der Grad zwischen einfachem Ärgern und Mobbing kann sehr schmal verlaufen.
von Alexandra Knoch
17.06.2020

Bevor du den Beitrag liest: Dieser Artikel enthält sensible Inhalte, die bei dir womöglich etwas auslösen oder anstoßen könnten.

Bestimmt hast du schon einmal von Mobbing gehört, vielleicht hast du Mobbing sogar schon erlebt – bei anderen oder an dir selbst. Doch was ist Mobbing eigentlich genau? Wo hört Ärgern auf und wo fängt Mobbing an? Und was kannst du tun, wenn du gemobbt wirst oder beobachtest, dass andere gemobbt werden? Wo findest du Hilfe? Ich habe mich für euch mit dem Thema Mobbing auseinandergesetzt und beantworte euch die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Was ist Mobbing?

Der Begriff „Mobbing“ stammt aus dem Englischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt „anpöbeln“ oder „fertigmachen“ und das trifft es auch genau: Beim Mobbing wird eine Person über einen längeren Zeitraum von einem oder mehreren anderen Personen systematisch fertig gemacht. Das Ziel dabei ist, den anderen von der Klasse oder dem Freundeskreis auszugrenzen, sodass andere nichts mehr mit ihm oder ihr zu tun haben wollen. 

Man unterscheidet hierbei zwischen zwei Arten: dem „direkten Mobben“ und dem „indirekten Mobben“. Beim direkten Mobben wird dem Mobbingopfer ganz aktiv gedroht, es wird ausgelacht, vor anderen bloßgestellt, geärgert oder schikaniert. Es kann dabei auch zu körperlichen Handlungen kommen, wie dem Einsperren oder die körperliche Gewalt gegen eine Person. Mit „indirektem Mobben“ sind Handlungen gemeint, die nicht so deutlich zu bemerken oder zu beobachten sind. Sie sind für das Opfer aber genauso verletzend, wie zum Beispiel das Ignorieren, Ausschließen von Gesprächen oder Unternehmungen, das Verbreiten von Gerüchten oder das Wegnehmen oder Zerstören von Eigentum.

Ist das Ärgern oder schon Mobbing?

Mobbing in der Schule geht nicht ausschließlich nur von Mitschülern oder Mitschülerinnen aus, sondern kann möglicherweise auch durch Lehrern oder Lehrerinnen vorgenommen werden. Mobbing muss auch nicht unbedingt in der Schule stattfinden. Das kann genauso in der Familie von Eltern, Geschwistern etc. , als auch im Freundeskreis, im Job oder im Verein passieren. Einfach überall dort, wo du auf andere Menschen triffst, mit denen du dich auseinandersetzt, kannst du auf Mobbing treffen.

Mobbing fängt dort an, wo einer anderen Person ganz bewusst durch über Wochen und Monate lang andauerndes und gemeines Verhalten ein dauerhafter, ernster, seelischer Schaden zugefügt wird. Im schlimmsten Fall kann das zu schweren Depressionen führen, die noch bis ins Erwachsenenalter hinein behandelt werden müssen.

Im Gegensatz dazu ist Ärgern häufig eine einmalige Sache. Klar kann dich das auch wütend oder traurig machen, wenn dein Lehrer dir eine schlechte Note gibt, du dich von anderen Menschen ungerecht behandelt fühlst oder ein Freund oder eine Freundin dich auslacht. Der Unterschied zum Mobbing ist aber, dass dich das meistens nur kurz ärgert und das Problem durch ein klärendes Gespräch für dich aus der Welt geschafft werden kann.

Wo bekommst du Hilfe?

Egal, ob du selbst gemobbt wirst oder du merkst, dass jemand anderes gemobbt wird: Hilfe zu suchen ist niemals eine Schwäche! Du beweist dadurch, dass du dich im Moment zwar überfordert fühlst, dass du aber ganz genau weißt, an wen du dich wenden musst, um dein Problem zu lösen. Es ist sehr wichtig sich jemandem anzuvertrauen und dadurch zu zeigen, dass du das gemeine Verhalten anderer nicht ignorieren und hinnehmen wirst.

Hast du vielleicht eine/n Vertrauenslehrer/in oder eine/n andere/n Lehrer/in an deiner Schule, der/m du erzählen kannst, was du beobachtest oder sogar erlebst? Dann hast du damit den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht und stehst von nun an nicht mehr alleine mit dem Problem da. Du hast nun jemanden an deiner Seite, der sich damit auskennt und weiß, wie dir oder der anderen Person geholfen werden kann.

Du kannst dich aber auch an deine Eltern oder andere Verwandte, erwachsene Freunde der Familie, deinen Arzt, Krisenhotlines wie krisenchat.de oder Beratungsstellen wenden. Viele Schulen haben mittlerweile die App “exclamo” eingerichtet. Über diese App kannst du dich schnell und direkt an einen Mentor wenden, der dich zu deinem Problem berät und dir Unterstützung anbietet. Wichtig ist, dass du Hilfe holst, damit du das Problem nicht allein bewältigen musst

Wie kannst du dich aktiv verhalten, wenn du gemobbt wirst?

Wenn du merkst oder befürchtest, dass du gemobbt wirst, muss dir eines ganz klar sein: Mobbing hat in keinem Fall mit dir zu tun. So, wie du bist, ist es richtig und gut und du hast ein Recht darauf von anderen respektiert und wertgeschätzt zu werden. Ohne Ausnahme. Du hast ein Recht darauf dir jederzeit Hilfe zu holen, wenn du vor jemandem Angst hast - das ist kein Petzen! Hilfe in Anspruch zu nehmen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.

Mach dir außerdem bewusst, dass die anderen das Problem haben und nicht du. Vielleicht fühlen sie sich nicht wichtig und lassen das Gefühl an dir aus? Möglicherweise ist ihnen auch einfach langweilig und dich zu mobben sorgt für Unterhaltung? Sie sind neidisch auf etwas, was du hast oder mögen nicht, dass du auf irgendeine Weise anders bist? - Das ist nicht dein Problem! Du hast genau wie jeder andere das Recht darauf ohne Angst in die Schule oder einem Hobby nachzugehen, wie jeder andere Mensch auch. Wenn du dich traust, beeindrucke durch Selbstbewusstsein! Sieh deinem Gegenüber in die Augen und sag ihm deutlich, dass du das nicht möchtest. So zeigst du ihm oder ihr, dass du kein Opfer sein willst und weißt, dass das Verhalten deines Angreifers falsch ist. Wenn du dich das nicht traust -weil du vielleicht Angst hast dich in Gefahr zu bringen- suche dir einen Erwachsenen, der dir zuhört und gemeinsam mit dir nach einer Lösung sucht.

Nicht mit dir!

Ich habe dir nun ein paar Möglichkeiten aufgezeigt, wie du dich verhalten kannst, wenn du gemobbt wirst oder Mobbing bei jemand anderem beobachtest. Auch wenn du nicht ganz sicher bist, ob es sich in bestimmten Situationen schon um Mobbing handelt oder vielleicht „nur“ um Ärgern: frage eine/n Erwachsene/n um Rat! Wenn du dich mit etwas nicht wohlfühlst, kannst du das mit der Unterstützung von Menschen, die sich gut auskennen, ändern. Du hast in jedem Fall ein Recht darauf und kannst stolz auf dich sein, wenn du den Mut hast für dich selbst oder jemand anderen um Hilfe zu bitten.

Quellenangaben:

  1. https://www.familienhandbuch.de/babys-kinder/entwicklung/jugendliche/herausforderung/Mobbing.php

  2. https://www.praxis-jugendarbeit.de/jugend-probleme-themen/3-Mobbing-Kinder-Jugendliche.html

  3. https://www.irrsinnig-menschlich.de/hilfe/mobbing-in-der-schule/

  4. http://www.mobbing-in-der-schule.info/

  5. Irrsinnig menschlich e.V.: “Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule. Was Lehrkräfte für psychisch belastete Schülerinnen und Schüler tun können.”

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