Erfahrungsbericht

Yoga als Entspannung: Du musst nichts beweisen

Yoga ist gerade überall. Ständig hört man, dass jemand zum "Yoga-Retreat" fährt oder sieht Leute auf Instagram in bunten Leggings vor einem Sonnenuntergang den Kopfstand machen.

Beim Yoga geht es darum, loszulassen und sich zu entspannen.
von Alice Lampe
15.10.2020

Vor acht Jahren hat mich eine Freundin zur ersten Yoga-Stunde mitgenommen. Ich habe schon immer sehr viel Sport gemacht, möglichst anstrengend und fordernd. Ich wollte mich auspowern und immer stärker und schneller werden. Das gehörte einfach zu mir: Perfektionismus und Ehrgeiz. Yoga habe ich zunächst erstmal etwas belächelt und nicht besonders ernst genommen.

Während der Meditation am Anfang konnte ich nicht still sitzen, habe immer wieder zu meinen Nachbarn geschielt und mich gefragt, wie lange das hier wohl noch dauert. Als dann die Übungen anfingen, versuchte ich sofort mich in Positionen zu bringen, für die ich noch lange nicht bereit war. Ich bin dann völlig durchgeschwitzt, mit Muskelkater und etwas angeknackstem Ego nach Hause gegangen. Eine Woche später hat es mich dann zurück ins Studio gezogen. Zähneknirschend habe ich dieses Mal auf die Lehrerin gehört und die Anfängervarianten geübt. Zuerst mit sehr viel Widerstand und dann mit immer mehr Genuss. Die Entspannung danach hat den ganzen Abend angehalten.

Auf den eigenen Körper hören

Immer wieder hat die Lehrerin wiederholt, dass wir bei uns bleiben sollen und es völlig egal ist, was der Nachbar macht oder wie weit du in den Spagat kommst. Die ersten zehn Male habe ich zwar gehört was sie gesagt hat, aber eigentlich nichts verstanden. Erst mit der Zeit habe ich gelernt, diese Freiheit von Erwartungen zu genießen und zu akzeptieren. Es kann ein unglaublich beruhigendes Gefühl sein, frei von jeglichem Leistungsdruck zu sein. Im Yoga musst du gar nichts. Du musst nichts beweisen und vor niemanden im Handstand durch die Gegend laufen.

Im Yoga geht es nicht darum, was du oder andere können, sondern darum, dass du dich wohlfühlst und dir Zeit nimmst, deinem Körper und deinem Geist etwas Gutes zu tun. Auch heute noch, nach acht Jahren Yogapraxis, habe ich Tage, an denen ich mir sage: Nö, heute nicht. Heute habe ich keine Lust einen Kopfstand zu machen. Heute bleibe ich auf meiner Matte in einer Entspannungshaltung liegen, einfach weil ich mich danach fühle und das ist völlig okay. Das war eine wichtige Lektion.

Was ist eigentlich Yoga?

Mit Yoga verbinden viele Leute Fitness oder fast unmöglich aussehende Verrenkungen. Aber die Übungen mit dem Körper sind nur ein kleiner Teil vom Yoga. Im Yoga geht es darum, Körper, Geist und Atem mit verschiedenen Techniken in den Einklang bringen. Das klingt erstmal ein bisschen abstrakt. Aber eigentlich ist es gar nicht so kompliziert: Eine Yogastunde dauert in der Regel neunzig Minuten. Sie beinhaltet meist eine Atemübung, eine Meditationsübung, verschiedene Körperübungen und eine Endentspannung. Es ist dabei völlig egal wie gelenkig oder fit du vorher bist. Mit Yoga anfangen darf jeder.

Verschiedene Yogastile

Es gibt unglaublich viele verschiedene Richtungen und Stile. Wenn du Yoga mal ausprobieren willst, würde ich dir empfehlen, dich durch unterschiedliche Arten zu probieren. Bestimmt ist auch für dich etwas dabei. Das Spektrum reicht von sanftem Yin Yoga, über spirituelles Kundalini Yoga bis zu körperlich sehr forderndem Ashtanga Yoga. Ich habe mich damals für Vinyasa Yoga entschieden, ein sehr sportlicher Yoga Stil, in dem die Haltungen im Fluss mit dem Atem geübt werden.

Tu was dir gut tut

Durch Yoga kann man lernen auf seinen Körper zu hören, anstatt sich zu irgendetwas zu zwingen. Auf seinen Körper zu hören und zu spüren, was er gerade braucht. Sanft zu sich zu sein. In diesem Sinne ist Yoga kein Sport. Es geht nicht um Leistung oder darum sich immer mehr zu verknoten. Es geht darum sich besser spüren zu können, bewusster zu werden und zur Ruhe zu kommen. Darum seinen Körper besser kennenzulernen und loszulassen.

Spirituell, aber nicht dogmatisch

Dieser positive Effekt kann sich irgendwann auf den Alltag übertragen. Du lernst mit der Zeit, die Leichtigkeit und Entspanntheit von der Matte mit in den Alltag zu nehmen. Ich habe bemerkt, dass ich mit vielen Situation viel lockerer umgehen kann und mir der überall präsente Leistungsdruck gar nicht mehr so viel anhaben kann.

Und wenn sich das alles für dich ein bisschen zu abgehoben anhört, und du eigentlich doch lieber nur einen Kopfstand lernen willst, dann ist auch das ein guter Grund mit Yoga anzufangen. Das ist das schöne im Yoga: Richtig ist was sich gut anfühlt 😊

Wie kann ich starten?

Yoga üben kannst du in einem Yogastudio. Da gibt es zumeist spezielle Kurse für Leute, die zum ersten Mal dabei sind. Wenn dir 90 Minuten zu lang sind oder du lieber zu Hause üben möchtest, gibt es einige großartige Möglichkeiten auf Youtube für den Einstieg.

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