Sich selbst lieben lernen: 6 Tipps für mehr Selbstliebe

Wie liebt man sich selbst? Ist man nicht total egoistisch, wenn man sich selbst liebt? Anna Seger erklärt, warum Selbstliebe glücklich macht und warum es sehr gesund sein kann, ein Stück weit egoistisch zu sein. Außerdem bekommst du 6 praktische Tipps.

Anna Seger

Sich selbst zu lieben ist eine wichtige Grundlage für ein glückliches und erfülltes Leben. Wenn man sich selbst lieb hat, ist man insgesamt gelassener, ruhiger und glücklicher. Menschen, die sich selbst lieben, kümmern sich aktiv darum, dass es ihnen gut geht und schenken sich selbst so viel Aufmerksamkeit, wie sie eben brauchen, um glücklich und voller Energie zu sein.

Aber ist es nicht total egoistisch, wenn man sich selbst Aufmerksamkeit schenkt?

Um diese Frage beantworten zu können, möchte ich dir erst mal erklären, was Egoismus überhaupt bedeutet. Wenn Lara ihren Freund Max als egoistisch bezeichnet, ist sie der Meinung, dass Max seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu viel Beachtung schenkt und dadurch zu wenig Zeit für die Erfüllung der Bedürfnisse und Wünsche von Lara aufbringt. Lara bezeichnet Max also als egoistisch, weil sie sauer auf ihn ist und ihm Schuldgefühle machen will, damit er sich mehr um sie kümmert.

Du kannst nur für andere da sein, wenn es dir selbst gut geht

Natürlich ist es wichtig, dass man nicht nur auf sich selbst achtet, sondern die Bedürfnisse und Wünsche anderer respektiert. Gute Beziehungen leben davon, dass man selbst etwas Gutes aus dem Kontakt mit dem anderen Menschen mitnimmt. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man der anderen Person all seine Probleme anvertrauen kann und somit die Möglichkeit hat, sich seinen Kummer von der Seele zu reden. Damit auch dein Gegenüber etwas Positives aus der Beziehung mitnimmt, bist du wiederum für sie/ihn da.

Das führt uns zu dem entscheidenden Punkt: Du kannst nur optimal für andere da sein, wenn es dir selbst gut geht. Bestimmt warst du auch schon mal in einer ähnlichen Situation wie Lisa: Lisa geht es gerade gar nicht gut, da sie bald 2 Klausuren schreiben muss und sie nicht weiß, wie sie es schaffen soll, so viel zu lernen. Außerdem hat sie Krach mit ihren Eltern und ihr Hund ist krank. Das alles belastet sie so sehr, dass sie nachts kaum schlafen konnte. Als sie morgens in der Schule ankommt, stürmt ihre Freundin Jennifer auf sie zu und sagt: „Gut, dass du endlich da bist, mir geht es gerade gar nicht gut.“. Im Anschluss an diesen Satz bekommt Lisa 20 Minuten lang erzählt, was Jennifer gerade bedrückt.

Lade deine Akkus regelmäßig auf

Wenn du Lisa wärst, wie würdest du dich in dieser Situation fühlen? Wahrscheinlich wäre dir das alles zu viel, du könntest dich nicht wirklich auf die Probleme deiner Freundin konzentrieren und du hättest das Gefühl, deine letzte restliche Energie auch noch ausgesaugt zu bekommen. Würde es dir hingegen selbst total gut gehen, wärst du voller Energie und es würde dir nicht viel ausmachen, dir die Probleme deiner Freundin anzuhören und ihr den einen oder anderen Ratschlag zu geben.

Genau deshalb ist es sehr gesund für dich und deine Beziehungen, wenn du dir selbst genügend Zeit und Liebe schenkst. Manche Menschen werden dich vielleicht als egoistisch bezeichnen, letztendlich sorgst du aber nur dafür, deine eigenen Akkus aufzuladen und kannst somit viel besser für andere da sein, als wenn es dir ständig schlecht geht.

6 Tipps für mehr Selbstliebe

Im restlichen Beitrag habe ich 6 Tipps zusammengestellt, die dir helfen, dich Stück für Stück selbst lieben zu lernen. Sei dir während des Lesens und Umsetzens der Tipps bewusst, dass Selbstliebe selten über Nacht entsteht und du einiges an Zeit und Kraft investieren musst, um die Tipps umzusetzen. Der Weg zu mehr Selbstliebe ist oft holprig und es geht nicht immer nur bergauf. Oft brauchst du mehrere Anläufe und es ist ganz normal, wenn du auch mal Rückschläge erfährst. Deshalb ist es wichtig, dass du dich jetzt schon dazu bereit erklärst, dich nach Rückschlägen wieder aufzuraffen und weiter an der Umsetzung der Tipps zu arbeiten. Mit Selbstliebe ist es nämlich so wie mit allem anderen, was du bisher gelernt hast: „Übung macht den Meister!“

1. Erlaube dir, „Nein“ zu sagen

An dem Beispiel von Lisa habe ich dir bereits erklärt, dass du nur optimal für deine Liebsten da sein kannst, wenn deine eigenen Akkus voll sind. Manchmal haben wir mit uns selbst genug zu tun und dann ist es extrem wichtig, auch mal „Nein“ sagen zu können.

Stell dir beispielsweise vor, du hattest die ganze Woche viel zu tun und hast dir deshalb für den heutigen Nachmittag vorgenommen, einfach mal nichts zu tun. In dem Moment, wo du dich auf deine Couch setzt, ruft dein bester Freund an und erzählt dir, dass er heute sein Zimmer streichen will und deine Hilfe braucht. Du hast absolut keine Lust und Energie zu helfen, fühlst dich aber dazu gezwungen, da er ja dein bester Freund ist.

Wie würdest du reagieren? Viele von uns würden jetzt „Ja“ sagen, obwohl sie eigentlich gerne „Nein“ sagen würden. Traue dich in solchen Momenten für dich und dein Wohlbefinden einzustehen und sage „Nein“! Einfach mal nichts vorzuhaben ist auch ein wichtiger Termin und du hast das Recht, mal nur für dich da zu sein.

2. Gönne dir Freude

Oft ist einiges los in unseren Leben und wir hetzen von einer Verpflichtung zur Nächsten. Egal ob Schule, Uni oder Arbeit, unser Tag ist meist gut durchgeplant und wir haben einiges zu erledigen. Wir neigen dann dazu, uns einzureden, dass nach der Klausur oder sogar nach unserem Abschluss alles wieder entspannter wird. Die Wahrheit ist, dass wir immer wieder neue Verpflichtungen und Aufgaben finden werden und wenn wir nicht gezielt darauf achten, uns auch mal auszuruhen und uns etwas Gutes zu tun, wir durch unser ganzes Leben durchrennen.

Sei dir deshalb bewusst: Du lebst nur einmal! Nutze dein Leben, um regelmäßig das zu tun, was dir Freude macht. Das kann ein gutes Essen sein, ein Abend mit Freunden, eine Party oder ein entspanntes Bad. Oft sind es auch ganz einfache Dinge, die uns glücklich machen, wie einfach nur im Gras zu liegen und in den Himmel zu schauen. Überlege am besten einmal ganz in Ruhe, was dir Freude macht und plane es dann fest in deinen Kalender ein.

3. Akzeptiere, was du nicht ändern kannst

Stell dir vor, es ist ein dunkler, regnerischer Tag. Schon beim Aufstehen hast du schlechte Laune und es graut dir davor, im Regen zur Schule zu laufen. Die schlechte Laune zieht sich durch deinen ganzen Tag und jedem, dem du begegnest, teilst du mit, wie schlecht doch das Wetter sei. Das hört sich ziemlich düster an, oder?

Anstatt deinen Tag mit so einer schlechten Laune zu verbringen, könntest du dich auch einfach dazu entscheiden, zu akzeptieren, was du nicht ändern kannst. Du hast keinerlei Einfluss auf das heutige Wetter und das Wetter wird nicht besser werden, wenn du dich darüber beschwerst. Was du aber tun kannst, ist gut für dich zu sorgen und dich dem Wetter entsprechend anzuziehen. Mit der richtigen Kleidung kann ein Spaziergang im Regen sogar Spaß machen.

Es gibt so manches im Leben, das wir nicht kontrollieren können. Oft sind es auch Dinge, die in der Vergangenheit liegen und die wir nicht mehr ändern können, wie zum Beispiel eine schlechte Klausurnote. Akzeptieren heißt nicht unbedingt, dass man etwas gut findet, aber es bedeutet, dass man es annimmt und seine Energie nicht darauf verschwendet, sich aufzuregen. Es hilft nichts, wenn du dich über die verhauene Klausur aufregst, aber du kannst dir vornehmen, für die nächste Klausur mehr zu lernen oder dir Unterstützung zu suchen. So schenkst du dir selbst wieder ein Stück Liebe, da du negative Gedanken und Gefühle von dir fernhältst und du wesentlich mehr Energie haben wirst.

4. Schenke dir selbst ein Lächeln

Diesen Tipp muss ich nicht lange erklären: Stelle dich mehrmals am Tag vor den Spiegel und schenke dir ein breites Lächeln. Am Anfang fühlt sich das wahrscheinlich etwas komisch für dich an. Mit der Zeit wirst du merken, dass es sich gut anfühlt, dich selbst anzulächeln und du dadurch automatisch ein bisschen glücklicher wirst.

5. Denke positiv

In den meisten Fällen fühlen wir uns schlecht, weil wir negative Gedanken haben. Das heißt, wir haben als Erstes negative Gedanken und dann geht es uns schlecht. Du kannst dir das so vorstellen: Wenn du, aus welchen Gründen auch immer, der Meinung bist, dass das Referat, welches du zusammen mit einer Gruppe vorbereiten musst, langweilig und blöd ist, dann wirst du automatisch schlechte Laune haben, während du dich mit dem Referat beschäftigst. Denkst du hingegen, dass das Referat interessant ist und es Spaß machen kann, in einer Gruppe zu arbeiten, wirst du wesentlich bessere Laune haben.

Versuche einmal wahrzunehmen, wann es dir nicht gut geht. Überlege dann, was der Grund dafür ist, dass es dir nicht gut geht und welche Gedanken dazu geführt haben, dass du dich jetzt so fühlst. Zum Beispiel: „Es geht mir gerade schlecht (Gefühl), weil ich denke, dass das Referat schrecklich ist und ich noch so viel dafür tun muss (Gedanken).“.

Im Anschluss daran überlegst du dir, welche Gedanken du haben müsstest, damit es dir gut gehen würde. Zum Beispiel: „Ich kann nichts daran ändern, dass ich dieses Referat machen muss und akzeptiere es deshalb (Tipp 3). Es wird bestimmt spannend, zusammen mit einer Gruppe ein ganz neues Thema auszuarbeiten.“.

Dieses Schema kannst du auf all deine Gedanken anwenden. Du kannst es entweder in dem Moment, in dem du etwas denkst, was dazu führt, dass du dich schlecht fühlst, anwenden oder du gehst beispielsweise abends deinen Tag noch mal in Gedanken durch und schreibst dir in Ruhe alles auf. Umso geübter du darin wirst, umso schneller entdeckst du Gedanken, die dafür sorgen, dass es dir schlecht geht und umso weniger negative Gefühle werden sich in dir ausbreiten. Ist es nicht toll zu wissen, dass wir unsere Gefühle positiv durch unsere Gedanken beeinflussen können?

6. Sei nicht zu streng mit dir selbst

Häufig sind wir selbst unsere größten Kritiker. Wir erwarten, dass wir stets perfekt sind und wenn wir einmal nicht so funktionieren wie wir wollen, machen wir uns immer wieder die gleichen Vorwürfe. Diese Strenge gegenüber uns selbst betrifft viele unserer Lebensbereiche und so sagen wir uns beispielsweise immer wieder, wie dumm wir doch sind, weil wir eine falsche Antwort gegeben haben. Auch im Bezug auf unser Äußeres sind wir oft sehr streng. So bestrafen wir uns beispielsweise mehrmals am Tag mit einem tadelnden Blick in den Spiegel, da unsere Haare heute nicht gut sitzen oder wir 2 Kilo zu viel auf den Hüften haben. Mal ehrlich, würdest du deiner besten Freundin oder deinem besten Freund immer wieder sagen, wie dumm sie*er doch ist oder wie hässlich sie*er heute aussieht? Wahrscheinlich eher nicht. Nimm dir für die Zukunft einmal vor, dich selbst so zu behandeln, wie du auch Personen behandeln würdest, die du lieb hast.

Falls du mehr Beiträge von Anna zum Thema Selbstliebe lesen möchtest, findest du hier weitere Beiträge. Quellen:

https://www.selbstbewusstsein-staerken.net/selbstliebe/ https://lexikon.stangl.eu/8138/egoismus/

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