Die SINUS-Jugendstudie 2020 - Wie ticken Jugendliche?

Was treibt die Jugend von heute an? Welche Ziele haben sie, wie stehen sie zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen? Welche Gemeinsamkeiten einen sie?

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Die „Jugend von heute“ im Jahr 2020 - was treibt sie an, welche Ziele haben sie, wie stehen sie zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen? Welche Gemeinsamkeiten einen sie? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die aktuelle SINUS-Jugendstudie. Die Studie, die alle vier Jahre vom Heidelberger SINUS-Institut durchgeführt wird, beleuchtet die Einstellung von 14-17 jährigen Teenagern zu ihrer Lebenswelt und gesellschaftlichen Fragestellungen.

Dabei setzt die Studie, die in Kooperation mit einer Vielzahl an Projektpartnern entsteht, jeweils andere Schwerpunkte. Mit der BARMER als einer der diesjährigen Kooperationspartner wurde in der 2020-Studie der Fokus unter anderem auf das Thema Gesundheit gelegt, das im Kontext der Corona-Pandemie natürlich noch einmal einen höheren Stellenwert genießt.

Breites Spektrum von Lebensmodellen

Die Studie ordnet die Befragten in verschiedene Gruppen ein, die die Lebenswelten der jungen Menschen beschreiben sollen. Sortiert wird nach Bildungsgrad und Prioritäten der Befragten. Dabei wird laut SINUS-Institut differenziert zwischen:

Adaptiv-Pragmatischen - leistungs- und familienorientierte Mainstream mit hoher Anpassungsbereitschaft

Expeditiven - erfolgs- und lifestyleorientierten Networker auf der Suche nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen

Experimentalisten - spaß- und szeneorientierten Nonkonformisten mit Fokus auf Leben im Hier und Jetzt

Konsum-Materialisten - freizeit- und familienorientierte untere Mitte mit ausgeprägten markenbewussten Konsumwünschen

Postmateriellen - weltgewandte bildungsaffine Teenage-Bohemiens mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsempfinden

Prekären - um Orientierung und Teilhabe bemühten Jugendlichen mit schwierigen Startvoraussetzungen und Durchbeißermentalität

Traditionell-Bürgerlichen natur- und heimatorientierten Familienmenschen mit starker Bodenhaftung Die oben beschrieben Milieus bzw. Lebenswelten sind unterschiedlich stark in Deutschland vertreten. Während die Jugendlichen am häufigsten dem adaptiv-pragmatischen Modell zugeordnet werden können, können die wenigsten der prekären Lebenswelt zugerechnet werden. Trotz all dieser soziokulturellen Unterschiede erkennt die Studie, dass sich die Jugendlichen durch entscheidende Gemeinsamkeiten auszeichnen:

Gesteigerte Ernsthaftigkeit und erhöhtes Problembewusstsein

Im Fazit der Studie werden die befragten Teenager als „gedämpft optimistisch“ bezeichnet. Es herrsche zwar keine komplette Unzufriedenheit, jedoch sei bei ihnen auch kein übermäßiger Zukunfts-Enthusiasmus festzustellen, vor allem bei jungen Menschen aus bildungsfernen Milieus. Bedenken bereiten den Jugendlichen laut Studie „Leistungsdruck“, „Zeitmangel“, Angst vor Misserfolg und Sorge um Familie und Freunde. Sie beschreibt die junge Generation als „sehr besorgt und mitunter ängstlich“. Primär rührt die Zukunftsangst der Jugendlichen aber vom Klimawandel her. Die meisten von ihnen sind sich bewusst, dass der Planet in Gefahr ist und sorgen sich aktiv um die drohende Klimakatastrophe. Evident wird dies an der Fridays for Future- Bewegung, die hauptsächlich von der jüngeren Bevölkerung getragen wird. Mit dem Klimawandel als zentrale Frage zeigt sich ein stärker werdendes Problembewusstsein und wachsende Ernsthaftigkeit als gemeinsame Eigenschaft vieler Jugendlichen.

Wunsch nach Sicherheit und Zusammenhalt

Durch die vorherrschende Unsicherheit sehnen sich die 14- bis 17-jährigen Befragten laut dem SINUS-Institut nach mehr „Zugehörigkeit, Halt und Orientierung“, das sogenannte „Regrounding“-Phänomen, welches bereits in der Studie von 2016 beobachtet werden konnte. Als wichtige Werte werden unter anderem „Hilfsbereitschaft“, „Toleranz“, soziale Zugehörigkeit und „Loyalität“ aufgezählt. Unpopulär dagegen ist das in früheren Jahren dominante egozentrische- und konkurrenzorientierte Denken. Stattdessen wünschen sich junge Menschen mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt, haben Angst vor „zunehmendem Hass und Aggression“. Das Ziel vieler ist es, in der „Mitte der Gesellschaft“ anzukommen und in guten, geordneten Verhältnissen zu leben.

Die Jugend fühlt sich nicht gehört

Wie bereits erwähnt sind die Folgen des Klimawandels eine der größten Ängste der jüngeren Generation. Gerade deshalb dominiert unter den Jugendlichen die Meinung, dass diese Krise von den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, aber auch von den älteren Generationen nicht ausreichend ernst genommen wird. Dadurch entsteht bei den Teenagern ein Gefühl von Frustration und Machtlosigkeit. Sie haben die Überzeugung, als junge Menschen nichts ausrichten zu können, und schrecken deshalb zum Teil vor „etablierter Politik“ zurück. Ihnen fehlt Repräsentation und Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen.

Verantwortung für andere während der Corona-Krise

Der Corona-Pandemie, die seit Anfang 2020 einen Einschnitt in das normale Leben der Jugendlichen machte, wird sich mit einem Sonderkapitel gewidmet. Obwohl Jüngere prinzipiell weniger stark von dem neuartigen Covid-19-Virus betroffen sind, zeigt die Studie, dass Ihnen die davon ausgehende Gefahr, vor allem für Risikogruppen, alles andere als gleichgültig ist: Egoismus ist ihnen fern, Priorität hat die Verantwortung für andere. Sie nehmen Rücksicht und sorgen sich dabei meist über ältere Familienmitglieder, aber auch um ältere Mitmenschen allgemein. Die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus werden von den Teenagern mit Ernsthaftigkeit behandelt und gutgeheißen, auch wenn sie sie besonders stark in ihrem Alltagsleben einschränken: Vor allem der Umstand, die Freunde nicht zu sehen, ist für Jugendliche schwer.

Neues Gesundheitsbewusstsein durch die Pandemie

Durch das Virus rückte das Thema Gesundheit stärker in den Fokus von Jugendlichen. Dies hatte zur Folge, dass die Befragten nun auch der Meinung sind, dass Gesundheit durchaus von einem selber beeinflusst werden kann, beispielsweise durch die schützenden Maßnahmen, aber auch durch Sport, Ernährung und ausreichend Schlaf. Laut Studie scheinen sich die Verhaltensweisen bezüglich der letzteren Faktoren allerdings während der Pandemie nicht geändert zu haben.

Solidarität hat Priorität

Zusammenfassend und besonders im Hinblick auf das Corona-Sonderkapitel stellt die Studie fest, dass Solidarität und Verantwortung die Werte sind, nach denen sich die „Jugend von heute“ richtet. So zeichnet die SINUS-Studie 2020 ein positives Bild der Jugend von heute.

Von Helena Wartenberg

Quellen:

https://www.sinus-institut.de/veroeffentlichungen/meldungen/detail/news/jetzt-erhaeltlich-sinus-jugendstudie-2020/news-a/show/news-c/NewsItem/news-from/47/

https://www.horizont.net/planung-analyse/nachrichten/sinus-jugendstudie-2020-wie-ticken-jugendliche-warum-der-jugend-nicht-nach-feiern-zumute-ist-184567

https://www.tagesspiegel.de/wissen/sinus-jugendstudie-2020-generation-problembewusstsein/26030386.html

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