Depressionen – wie kann ich als Angehörige*r helfen?

Du bist dir unsicher, wie du mit Depressionen als Außenstehende*r umgehen sollst? Wir erklären dir, worauf du dich einstellen kannst und welche Hilfe wirklich hilfreich ist.

Helene Schmidt-Holzmann

Bevor du den Beitrag liest: Dieser Artikel enthält sensible Inhalte, die bei dir womöglich etwas auslösen oder anstoßen könnten.

Du hast von einem*r Angehörigen oder einem*r Freund*in erfahren, dass diese*r unter Depressionen leidet oder hast die Vermutung, weil du bestimmte Veränderungen mitbekommen hast? Du bist dir unsicher wie du dich nun gegenüber der betroffenen Person verhalten sollst? Keine Sorge – mit dem Thema bist du nicht alleine. Im Folgenden erklären wir dir, wodurch sich eine Depression bemerkbar macht, wie du der betroffenen Person helfen und was du für dich selbst tun kannst.

Merkmale einer Depression

Wie fühlt sich eine Depression eigentlich an? Das fragen sich viele Menschen. Doch die Frage lässt sich nur schwer beantworten, denn selbst sehr empathische Personen können sich nicht in die Gefühlslage eines depressiv Erkrankten hineinversetzen. Eine Depression kann sich bei den Betroffenen ganz unterschiedlich äußern. Einer der Hauptsymptome ist eine allgemein depressive Stimmung, wobei sich die Betroffenen extrem niedergeschlagen und innerlich leer fühlen. Es fällt ihnen zunehmend schwer, die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Zudem rücken Dinge und Aktivitäten, die früher ein besonderes Interesse geweckt und eine hohe Bedeutung im Leben des Betroffenen eingenommen haben, immer mehr in den Hintergrund. Der*Die Erkrankte muss sich sogar dazu überwinden einfache alltägliche Aufgaben (Aufstehen, Einkaufen, Putzen, etc.) zu erledigen. Weitere Symptome wie Schlafstörungen, Appetitminderung und Suizidgedanken können den Alltag der betroffenen Menschen extrem negativ beeinflussen.

Wie kann ich helfen?

Die genannten Symptome einer Depression führen dazu, dass sich die Erkrankten drastisch verändern. Fakt ist: Für die außenstehenden Personen bedeutet dies eine Umstellung im Umgang mit der betroffenen Person.

Eine Freundin, die Tante, der Bruder – ehemals lebensfrohe und leidenschaftliche Menschen verwandeln sich in Personen, die keine Freude mehr empfinden, keinen Sinn mehr im Leben sehen und nur noch verzweifelt und hilflos sind, da sie sich in einem tiefen schwarzen Loch befinden. Doch wie verhält man sich ausgerechnet gegenüber einem depressiven Menschen (der einem auch noch nahe steht) ? Viele Menschen tun sich damit besonders schwer. Darum möchten wir dir im Folgenden ein paar Tipps vorstellen, die dir helfen könnten mit der Person besser umzugehen.

#1 Vorsicht mit Ratschlägen

Wenn es Menschen in unserem Umfeld schlecht geht, neigen wir dazu, ihnen bestmögliche Ratschläge geben zu wollen. Doch mit Ratschlägen sollte behutsam umgegangen werden. An Depressionen erkrankte Personen können mit Aussagen wie „Entspann dich doch einfach mal“ wenig anfangen. Diese Form von Ratschlägen lassen die Person sich womöglich sogar noch schlechter fühlen und sie kapselt sich immer mehr von der Welt ab, da sie sich nicht verstanden fühlen. Ihr Problem wird sozusagen bagatellisiert, das heißt verharmlost. Was heißt das nun für dich? Versuche es mit einfühlsameren Worten, die der Person Halt und Sicherheit geben und ihr zeigen, dass sie verstanden wird – wie zum Beispiel: „Ich bin für dich da“ oder „Wir schaffen das zusammen“ oder „Du bist nicht alleine“. Ganz nach dem Motto “weniger ist mehr” reichen schon dosierte Worte aus, um einer Person ein gutes Gefühl zu geben.

#2 Auf Worte folgen Taten

Da depressiven Menschen selbst die einfachsten Erledigungen im Alltag schwer fallen, könntest du einer betroffenen Person eine Menge Aufgaben abnehmen, die eine Last für sie darstellen. Ein Einkauf beim Supermarkt oder Wäsche waschen reichen vollkommen aus!

Dass Bewegung und eine gesunde Ernährung die mentale Gesundheit fördern, ist heutzutage kein Geheimnis mehr. Biete der betroffenen Person an, dass ihr gemeinsam etwas Schönes unternehmt - wie zum Beispiel einen Spaziergang oder ein Abend, an dem ihr gemeinsam kocht.

Unterstützung anbieten

Sollte sich die betroffene Person zu der Teilnahme an einer Therapie bereit erklären, kannst du sie bei der Suche nach einem*r geeigneten Therapeut*in unterstützen, ihr Beratungsstellen vorschlagen und einen Plan erstellen, wann und wie er oder sie sich dort melden kann. Dieser Schritt stellt für viele depressive Menschen eine sehr große Herausforderung dar, bei der du der entscheidende Hebel sein kannst.

Behalte immer im Hinterkopf, dass sich die betroffene Person durch deine Unterstützung nicht eingeengt oder bevormundet fühlen sollte, sondern, dass sie die Unterstützung auch gerne empfängt, das ist manchmal nicht so leicht! Vielen Erkrankten fällt es schwer, wenn zu viel von ihnen verlangt wird oder sie sich entscheiden müssen. Achte also darauf, dass du zwar für die Person da bist, aber auf Sicherheitsabstand. Einige Betroffene fühlen sich wohler, wenn sie selbst auf die Unterstützung kommen, anstatt, dass ihnen diese angeboten wird. Eine darauffolgende Ablehnung kann jedoch umso schlimmer für die erkrankten Personen sein.

Nichts persönlich nehmen

Wenn die Person die Unterstützungsangebote ablehnt, kannst du immer noch da sein und ihr auch sagen, dass du auch an ihrer Seite bist. Versuche zudem die Ablehnung der erkrankten Person nicht persönlich zu nehmen, es hat nichts mit eurer Verbindung zu tun. Dennoch kannst du der erkrankten Person dieses “Dilemma” benennen und kundtun, dass das eine schwere Situation für dich ist.

Es ist wichtig, dass du dir immer klar machst, dass du nicht dafür verantwortlich bist, dass es der anderen Person besser geht! Es ist schon viel wenn du ein offenes Ohr hast und Unterstützung anbietest, der Person zu helfen, eine professionelle Beratung oder Therapie in Anspruch zu nehmen. Den Rest muss die betroffene Person alleine machen!

#3 Tue Dir was Gutes

Zu sehen wie es einer nahestehenden Person schlecht geht, kann einem selbst sehr nahe gehen und die eigenen Energiereserven verbrauchen. Daher ist es besonders wichtig, dass du dich nicht nur um die betroffene Person, sondern auch um dich selbst kümmerst. Nimm dir Zeit für dich selbst und tue das, was dir Spaß und Freude bringt. Konzentriere dich hin und wieder nur auf dich selbst. Denn nur wer selbst psychisch stabil ist, kann die andere Person ein Stückchen auf dem Weg begleiten sich professionelle Hilfe zu holen!

Falls du mit jemandem reden möchtest, dem es ähnlich geht wie dir, gibt es sämtliche Angebote die dir helfen könnten mit der Situation klarzukommen. In Selbsthilfegruppen können sich beispielsweise Angehörige und Freunde von depressiv Erkrankten über den Umgang mit den Betroffenen sowie über die eigene Gefühlslage austauschen. Bei Krisenchat.de kannst du dich ebenfalls gerne melden, wenn du ein offenes Ohr benötigst oder das Bedürfnis hast, einfach einen Ansprechpartner bezüglich des Themas „Umgang mit depressiv Erkrankten“ zu brauchen. Wir sind jederzeit für dich da und schaffen gemeinsam, dass es dir bald wieder besser geht.

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