Unterstütze uns!

"Mama, Papa, ich muss euch etwas sagen" - Coming Out im Jugendalter

Es gibt unterschiedliche Formen der sexuellen Orientierung, welche heutzutage präsenter sind. Trotzdem ist es für viele noch ein Tabuthema. Gerade Eltern haben sich oft nicht genug mit dem Thema befasst. Dieser Artikel gibt dir einen Einblick und Tipps.

Joyce

Der Begriff Coming Out kommt aus der Redewendung “To come out of the closet“ und bedeutet wörtlich übersetzt "aus dem Schrank kommen“. Das Coming Out besteht aus einem längeren Prozess der Identitätsfindung vor allem in Bezug auf die sexuelle Orientierung. In den meisten Fällen merken bereits Pubertierende, zu welchem Geschlecht sie sich eher angezogen fühlen. Weil die Gefühle sich am Anfang sehr komisch und ungewohnt anfühlen, ist es normal, dass du erstmal sehr unsicher wirst und deine Gefühle auch ablehnst.

Es ist deshalb so schwierig mit den Gefühlen zurecht zu kommen, weil Homosexualität in der Gesellschaft als “anders” betrachtet wird und noch nicht so akzeptiert wird wie Heterosexualität. Auch wenn Homosexualität immer mehr Beachtung und Akzeptanz findet, so ist das Coming Out ein sehr anstrengender Weg. Daher spricht man von zwei Formen des Coming out – dem inneren und dem äußeren Coming Out.

Das innere Coming Out

Beim inneren Coming Out geht es darum, dass du dir klar wirst, von welchem Geschlecht du dich eher angezogen fühlst. Es gibt unterschiedliche Formen der sexuellen Orientierung. Wichtig ist, dass du dir so viel Zeit nimmst, die du brauchst, um herauszufinden, ob du lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell oder asexuell bist. Aber auch hier solltest du dich nicht gleich in eine Schublade stecken. Weil Heterosexualität von der Gesellschaft eher angenommen wird, kann das Gefühl “anders” zu sein, einen ganz schön aus der Bahn werfen. Es kann sein, dass du sehr unsicher wirst und mit Ängsten zu kämpfen hast. Das ist normal und du solltest dich nicht unter Druck setzen lassen, sondern erstmal lernen dich so zu akzeptieren wie du bist.

Das äußere Coming Out

Wenn du akzeptieren kannst, wer du bist und wen du lieben möchtest, kannst du es der Öffentlichkeit sagen. Das äußere Coming Out heißt also, dass deine Eltern davon erfahren, deine Freunde, eventuell sogar die Lehrer an deiner Schule. Das erfordert sehr viel Mut, deswegen kannst du dich ja auch erstmal an deine Person des Vertrauens wenden, z.B. deine beste Freundin oder dein bester Freund. Vielleicht hast du auch die Möglichkeit, andere Menschen mit derselben sexuellen Orientierung zu treffen. Das kann helfen, damit ihr euch austauschen und über eure Erlebnisse sprechen könnt.

Wie sage ich meinen Eltern, dass ich nicht hetero bin?

Sich vor den Eltern zu outen ist ein sehr großer Schritt. Oft sind Eltern mit dem Thema überfordert oder sie haben sich nie mit Homosexualität auseinandergesetzt. Daher könnte es hilfreich sein, dich vorher mit dem Thema vertraut zu machen. Schau mal auf der Internetseite vom Lesben- und Schwulenverband vorbei oder auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Auch deine Freunde können dich beim Coming Out unterstützen. Grundsätzlich gilt, je positiver du mit deinem Coming Out umgehst, desto besser werden es deine Eltern verstehen. Hilf auch du deinen Eltern, damit sie sich mit dem Thema auseinander setzen, indem du ihnen hilfreiche Links, wie beispielsweise vom Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen schickst. Bleib ehrlich mit deinen Eltern und sag ihnen, dass es auch für dich nicht leicht ist, ihnen die Wahrheit über dich mitzuteilen aber dass du stolz darauf bist, deine wahre Identität nun offenbart zu haben.

Was ist, wenn ich mich in meinem Körper fremd fühle?

Manchmal ist es sogar so, dass Menschen sich in ihrem Körper fremd fühlen. Sie wurden zum Beispiel als Mädchen geboren und fühlen sich wie ein Junge. Andersherum kann es genauso passieren. Sowas nennt man Transgender. Transgender sind also Personen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren. Es gibt aber auch Transpersonen, die sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen. Das Coming Out ist auch hier ein langer und schmerzhafter Prozess. Da sich Transpersonen ihrem Geschlecht nicht zugehörig fühlen gibt es Wege, dieses anzugleichen. Wenn dich das Thema interessiert, solltest du nächste Woche wieder hier vorbeischauen - dann erscheint der Beitrag “Der Weg zum anderen Geschlecht”.

Hier nochmal 5 Tipps für DEIN Coming Out:

  1. Bloß keine Panik! Es gibt andere Menschen auf der Welt, denen es gerade genauso geht wie dir. Du bist wer du bist und das ist auch gut so.

  2. Suche dir Leute, die dich lieben, so wie du bist. Zu zweit ist man stärker, als allein. Vertrau dich jemanden an. Sprich darüber und suche dir auch Unterstützung im Internet, durch Blogs oder Artikel.

  3. Akzeptiere, wer du bist und wen du lieben möchtest. Der Liebe sind keine Grenzen gesetzt!

  4. Bereite dich auf das Gespräch mit deinen Eltern vor. Suche Bücher oder Artikel raus, die du ihnen geben kannst. Sei nicht böse, wenn sie erstmal mit der Situation überfordert sind. Das werden sie schon akzeptieren. Gib euch Zeit!

  5. Du hast dich akzeptiert? Dann sei stolz auf dich, denn du bist einzigartig und wundervoll. Teile der Welt mit, dass du Homo-, Bi-, Pan-, A-, oder Transsexuell bist.

Ich habe dir gerade gezeigt, was du tun kannst, wenn du dich als queer identifiziert hast. Manchmal macht man sich vorher zu viele Gedanken und man hat große Angst vor der Reaktion anderer. Oftmals kommt es ganz anders als man glaubt! Also steh zu dir und sei stolz auf das was du bist!

Hilfreiche Links rund um das Thema:

Lesben- und Schwulenverband (LSVD) e.V. Loveline.de: Schwul, lesbisch, bi, hetero Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Ratgeber für Jugendliche

Hilfreiche Links rund um das Thema für Eltern:

Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen e.V. Ratgeber für Eltern

Quellen:

Landeshauptstadt München (2020): Wie wir werden, was wir sind: Das Coming Out Lesben- und Schwulenverband e.V. (o.D.): Was ist Homosexualität? Antworten zu Lesben und Schwulen

Goebel, M. (2011): Wie sage ich meinen Eltern oder Freunden, dass ich schwul oder lesbisch bin?

In einer Krise?
Schreib uns.
Wir helfen dir!

Kostenlose Beratung rund um die Uhr für alle unter 25.
Kontaktiere uns auf WhatsApp und lass dir helfen.