Cybermobbing: Wenn das Smartphone zur Waffe wird

In unserer modernen Zeit ist ein Leben ohne Handy oder Laptop kaum noch vorstellbar. Doch was passiert, wenn das Handy für Cybermobbing missbraucht wird?

Christin Zech

Bevor du den Beitrag liest: Dieser Artikel enthält sensible Inhalte, die bei dir womöglich etwas auslösen oder anstoßen könnten.

Das Handy ist inzwischen unser täglicher Begleiter geworden. Du chattest mit deinen Freunden, schaust Youtube-Videos oder Tiktoks und teilst Stories auf Instagram oder Snapchat. Mit dem Laptop erledigst du deine Schulaufgaben oder nimmst aktuell sogar am Unterricht teil. Das Internet erleichtert das Leben ungemein und schafft auch ein gutes Kommunikationsmittel, um sich mit Freunden zu verabreden. Täglich verbringen wir mehrere Stunden vor dem Smartphone. Laut einer Studie des Leibniz-Instituts sind es bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 17 durchschnittlich 2,4 Stunden am Tag.

Doch plötzlich tauchen Bilder von dir im Internet auf, die du am liebsten direkt löschen würdest. Es werden Scherze in der Klassengruppe gemacht und alle lachen darüber. Keiner merkt, wie nah dir das geht. In einem anderen Fall bekommst du auf einmal Drohnachrichten per SMS, die dir Angst machen und du weißt nicht, wer dahinter steckt. Das Handy, was du eigentlich so gern nutzt, wird auf einmal ganz schrecklich und jede Nachricht löst Furcht und Angst aus.

Die digitale Bedrohung

Wenn das Schikanieren und Ärgern nicht mehr mit der Schulglocke stoppt, sondern sich per Smartphone, und Laptop weiter geht, hat das Ganze einen Namen: Cybermobbing. Cybermobbing - was ist das eigentlich?

Dabei handelt es sich um eine Unterform von Mobbing, die sich anders als das „analoge“ Mobbing auch auf digitale Geräte überträgt. Um das zu verstehen, müssen wir zunächst einmal schauen, was genau eigentlich Mobbing ist. Man spricht immer dann von Mobbing, wenn ein oder mehrere Personen eine andere Person über einen längeren Zeitraum systematisch fertig machen. Das heißt, dass eine Art Plan dahinter steckt, die andere Person gezielt anzugreifen, von einer Gruppe zu isolieren oder auszugrenzen. Oftmals entsteht dabei eine ganz gemeine Dynamik zwischen den beiden Parteien, bei der sich eine Art Machtgefälle zwischen den Parteien entwickelt. Die angegriffene Person wird dabei isoliert und geschwächt - der Angreifer gewinnt mehr Macht dazu.

Unterschiede zu Mobbing

Die Angriffe können dabei verbal erfolgen, in dem die Person beleidigt, belästigt, beschimpft oder bedroht wird. Aber es gibt auch den direkten physischen Angriff, wenn die Personen gewalttätig werden oder es zu Auseinandersetzungen kommt, z.B. in dem die einzelne Person getreten, geschlagen oder bespuckt wird.

Damit diese Angriffe ihre gemeine Wirkung entfallen können, muss die Person allerdings in der Nähe oder in Hörreichweite sein. Man kann sich dem direkten Angriff also für eine kurze Zeit entziehen, indem man den Ort verlässt. Das kann zuhause sein, bei Freunden oder im Jugendtreff.

Bei Cybermobbing hingegen ist es so, dass die Angriffe nicht nur in verbaler oder physischer Form auf dem Schulhof stattfinden, sondern auch über das Internet oder das Handy. Schauplatz des Geschehens sind dabei häufig soziale Medien wie z.B. Whatsapp, Instagram, Tiktok oder Snapchat, aber auch Nachrichten per SMS oder E-Mails zählen dazu. Die Formen, die Cybermobbing annehmen kann, sind dabei sehr vielfältig. Es können zum Beispiel Textnachrichten mit Beleidigungen, Bedrohungen verschickt, peinliche oder herabwürdigende Bilder und Videos von der Person verbreitet oder Whatsapp-Gruppen erstellt werden um über die Person herzuziehen.

Man unterscheidet dabei in nicht-öffentliches Cybermobbing, bei dem die Inhalte nur an die eine Person geschickt werden und öffentlichen Cybermobbing, wenn die Beiträge für viele Personen sichtbar sind, z.B. an einer Facebook Pinnwand oder auf Youtube.

Gefahren von Cybermobbing

Das wohl größte Merkmal und eins der gefährlichsten Aspekte ist die Anonymität der Täter. Obwohl Anonymität im Internet oftmals ein großer Vorteil ist und man unerkannt bleiben kann, ist es gleichzeitig eine der größten Gefahren. Die Person, die die Nachrichten erhält, weiß oftmals nicht, wer hinter den Attacken steckt und dafür verantwortlich ist. Das kann sehr beängstigend und einschüchternd sein und dazu führen, dass man sich hilf- und machtlos fühlt.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass die Person ihre Täter aus dem „realen Leben“ kennt und ihr schon mal begegnet ist, aber selbst mit einem Verdacht bestehen meist noch große Zweifel an der Identität der Personen.

Zunächst kein Entkommen

Ein zweiter wichtiger Punkt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die ständige Anwesenheit des Mobbings. Man kann bei „herkömmlichem“ Mobbing der Situation für eine kurze Zeit entkommen, indem man sich räumlich entfernt. Das ist bei Cybermobbing nicht möglich, da die Nachrichten entweder übers Smartphone oder den Laptop direkt zum Adressaten gelangen. Nachrichten, Beleidigungen und Drohungen können rund um die Uhr und in jedem Raum stattfinden - sogar zuhause. Es gibt keinen sicheren Rückzugsort und keine Pause. Da die sozialen Medien mittlerweile ein wichtigstes Kommunikationsmittel zum Austausch mit Gleichaltrigen sind, kann es außerdem schwierig sein, die Plattform komplett zu verlassen, ohne den Kontakt zu guten Freunden zu verlieren.

Das sorgt verständlicherweise für eine enorme psychische Belastung und Anspannung bei den Betroffenen, die sich dem ganzen hilflos ausgeliefert fühlen und nicht mehr weiter wissen. Sie haben das Gefühl, dem nicht entkommen zu können.

Inhalte verbreiten sich rasant

Außerdem ist noch zu bedenken, dass sich Inhalte im Internet sehr viel schneller und weiter verbreiten können. Es gibt ein sehr großes Publikum in den sozialen Medien, sodass Bilder und Videos innerhalb von wenigen Minuten sehr viele Leute erreichen können. Wenn etwas erst einmal seinen Weg ins Internet gefunden hat, ist es sehr schwer nachzuverfolgen, wer alles Zugriff dazu hat. Eine Kontrolle darüber zu erlangen ist fast nicht möglich. Was kann man dagegen unternehmen?

Dir kommt das alles bekannt vor? Keine Angst, die Situation ist auf keinen Fall so aussichtslos wie sie scheint. Erst einmal ist es wichtig zu wissen, dass die Betroffenen nicht Schuld sind daran sind, dass sie gemobbt werden. Es gibt nichts, was sie getan haben, dass eine solche Schikane rechtfertigen würde. Mobbing kann jeden treffen, aber der Betroffene muss das nicht ertragen, sondern hat das Recht, sich zu wehren.

Kurzfristige Maßnahmen

Im ersten Moment ist es wichtig zu schauen, dass es dir gut geht. Du kannst das Handy erst einmal wegpacken, dich mit einem Freund oder Freundin verabreden und mit ihnen darüber reden, was passiert ist oder dich einfach nur ablenken. Es kann gut helfen den blöden Nachrichten mit etwas positivem entgegenzuwirken z.B. einem schönen Nachmittag mit deinen Freunden zu verbringen oder deinen Lieblingsfilm zu schauen.

Wenn du dann ans Handy zurückkehrst, kannst du selbst entscheiden wie du auf die Nachrichten reagierst, wenn das möglich ist. Du kannst entscheiden sie zu ignorieren oder ihnen zu antworten, dabei empfiehlt es sich aber sachlich zu bleiben, klar zu sagen, dass das zu weit geht und die Angreifer aufzufordern den Inhalt zu entfernen.

Beweise sichern

Da ein großer Teil des Mobbings online stattfindet, hast du die Chance, Beweise zu sammeln und alles festzuhalten, was passiert. Das gestaltet sich auf dem Schulhof beim „analogen“ Mobbing sehr schwierig und oft steht dann Aussage gegen Aussage. Beim Cybermobbing hingegen kannst du Drohnachrichten und Beleidigungen, die du bekommen solltest, screenshotten und so festhalten. In einem Gespräch mit deinem Lehrer kannst du dann ganz klar vorlegen, was passiert ist und die Bilder zeigen.

Dich selbst schützen

Nachdem du den vorigen Schritt getan hast, ist es nun an der Zeit dafür zu sorgen, dass du dir solche Nachrichten nicht mehr jeden Tag durchlesen musst. Wenn die Belästigungen per SMS oder Whatsapp eingehen, kannst du die Person sperren lassen, wenn die Nummer nicht unterdrückt ist. Dann bekommst du keine Nachrichten mehr und die Person sieht auch nicht mehr wann du zuletzt online warst.

Bei einigen Social Media Plattformen hast du außerdem die Möglichkeit, Inhalte die Mobbing beinhalten, zu melden. Um dich zu informieren wie das geht, kannst du einmal hier klicken und dich über die verschiedenen Seiten informieren.

Hilfe holen

Es wäre sehr gut, wenn du mit einer erwachsenen Person deines Vertrauens über die Vorfälle sprichst und dich jemandem an vertraust. Das kann ein Lehrer, der Schulpsychologe, der Schulsozialarbeiter oder ein Elternteil oder anderer Verwandter sein. Dieser Schritt erfordert sehr viel Mut, aber es ist wichtig, dass jemand in dieser Situation einschreitet und dir zur Seite steht.

Mobbing hat eine sehr gemeine Dynamik, bei dem der Betroffene vor der Gruppe herabgewürdigt oder isoliert wird. Dadurch entsteht ein Machtgefälle, mit den mächtigen Tätern auf der einen Seite und dem Betroffenen auf der anderen Seite. Genau das macht es für Betroffene sehr schwer, allein aus der Situation herauszukommen und es auf der anderen Seite so wichtig, einen Erwachsenen dazu zuholen, damit ihr gemeinsam schauen könnt, wie ihr die Situation lösen könnt.

Manchmal kann es auch sinnvoll sein die Polizei hinzuzuziehen, wenn du das möchtest. Sie können dir helfen, den Täter ausfindig zu machen, indem beispielsweise die Nummer zurückverfolgt wird. Obwohl Cybermobbing selbst nicht strafbar ist, gibt es trotzdem einige Gesetze, die hier zur Anwendung kommen können und eine rechtliche Grundlage bilden. So sind Beleidigungen, Üble Nachrede und Verleumdung Straftaten, die zur Anzeige gebracht werden können. Auch wenn alles aussichtslos wirkt, denk immer daran: Du bist nicht allein und kannst dir Hilfe holen.

Quellenangabe:

https://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/cyber-mobbing-was-ist-das/

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-und-jugend/medienkompetenz/was-ist-cybermobbing-/86484#:~:text=Unter%20Cyberbullying%20oder%20Cybermobbing%20versteht,%2C%20Foren%2C%20Chats%20und%20Communities.

https://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/service-anbieter-kontaktieren/

https://www.lmz-bw.de/medien-und-bildung/jugendmedienschutz/cybermobbing/cybermobbing-was-ist-das/

https://www.zeit.de/digital/internet/2019-09/internetnutzung-kinder-jugendliche-online-leibniz-studie

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