Cybermobbing in Videospielen - so schützt du dich in der Gaming-Welt

Cybermobbing findet häufig auch in der Gaming-Szene statt. Wann werden hier Grenzen überschritten und was kannst du dagegen tun? In diesem Beitrag zeige ich dir einige Möglichkeiten, wie du vorgehen kannst, denn du bist nicht ausgeliefert.

Anna Seger

Durch die Digitalisierung verbringen Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit online. Anstelle von Brettspielen oder Rollenspielen auf der Straße wird heutzutage oft in Videospielen miteinander gespielt. Online zu spielen bietet einige Vorteile. Du musst beispielsweise nicht erst zu deinen Freunden gefahren werden und kannst außerdem neue Leute kennenlernen, die oft weit weg wohnen und die du vor deiner eigenen Tür niemals getroffen hättest. Online kann man sich auch eine ganz neue Identität erschaffen und dadurch eine andere Rolle einnehmen als beispielsweise in der Schule oder im Sportverein. Der Kreativität, bezüglich wer man sein will, sind online nämlich keine Grenzen gesetzt, da man seine Mitspieler nicht unbedingt persönlich kennt.

Videospiele können also viel Spaß machen und dich in eine andere Welt eintauchen lassen. Oft wird man dabei ähnlich ehrgeizig wie bei einer Partie „Mensch ärgere dich nicht“ und so kann es leider schnell passieren, dass aus dem Ehrgeiz eine Art Wut entsteht. Wahrscheinlich hat fast jeder von uns schon mal eine hoch emotionale Partie eines Spiels erlebt, bei der Spielfiguren oder Karten durch den Raum geflogen sind. Vielleicht wurde dann auch geschrien, geweint und die Tür zugeknallt, aber spätestens nach ein paar Stunden haben sich alle wieder beruhigt. Online entstehen solche Konflikte natürlich auch und das ist auch völlig normal. In manchen Fällen bleibt es jedoch nicht bei einem kurzen harmlosen Streit, sondern es kommt zu Cybermobbing.

Was bedeutet Cybermobbing und wie kommt es dazu?

Cybermobbing beschreibt ein Verhalten, welches online von einer Person oder einer Gruppe von Personen ausgeht. Die Täter haben das Ziel, ihren Opfern nachhaltig Schaden zuzufügen. Um das zu erreichen, beschimpfen sie ihre Opfer, stellen sie bloß oder bedrohen sie sogar. Typische Anzeichen für Mobbing sind, dass das Verhalten der Täter*innen absichtlich ist und es sich über einen längeren Zeitraum erstreckt.

Da man online nicht unbedingt seine wahre Identität preisgeben muss und sich auch nicht in echt gegenüber steht, ist die Hemmschwelle für Beleidigungen und Hetze häufig sehr viel niedriger. Vielleicht hast du selbst auch schon mal per Chat etwas geschrieben, was du von Angesicht zu Angesicht nicht ausgesprochen hättest. So ein Nachrichtenaustausch per Chat kann sich schnell immer weiter hochschaukeln, da wir die emotionale Reaktion unseres Gegenübers wie beispielsweise einen traurigen Gesichtsausdruck oder eine dünner werdende Stimme, nicht mitbekommen.

Deine Cybermobbing Toolbox: So blockierst du Leute auf Instagram, Whatsapp und Co.

Vorsicht in Gruppenchats

In Videospielen, in denen es um gewinnen oder verlieren geht, kommt es so oft zu einem starken Konkurrenzdenken und die Gefühle der Mitspieler*innen werden nicht weiter beachtet. Verhalten sich Spieler*innen dann so, dass es dem Erfolg des Spiels schadet, da sie beispielsweise das Spiel frühzeitig verlassen, kann die Situation schnell eskalieren. So kann es Spieler*innen passieren, dass sie im Gruppenchat vor allen anderen oder per Direktnachricht beleidigt oder verurteilt werden. Genauso kann es zwischen gegnerischen Teams schnell zu einer Auseinandersetzung kommen.

Der Gruppenchat bietet hierbei leider eine optimale Möglichkeit, immer mehr Leute dazu zu bewegen, mitzuhetzen. Problematisch wird das Ganze vor allem dann, wenn Spieler*innen über einen langen Zeitraum beleidigt/verurteilt werden und das Ganze in Cybermobbing endet. Opfer von Cybermobbing und Mobbing im Allgemeinen tragen oft langfristige Schäden davon und haben beispielsweise mit Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Gefühlen der Hilflosigkeit, Ängsten und übermäßiger Wut zu kämpfen.

Wie kann man sich und andere nun vor Cybermobbing in Videospielen schützen?

1. Täter*innen melden

Wenn du selbst oder andere Spieler*innen beleidigt werden, hast du in vielen Spielen die Möglichkeit, das zu melden. Bei manchen Spielen kannst du nach Beendigung des Spiels den kompletten Chatverlauf melden, welcher dann durchgeschaut wird. Wenn das bei deinem Spiel nicht geht, mache am besten ein Foto oder einen Screenshot, auf dem die Pseudonyme der Täter*innen und die entsprechenden Nachrichten erkennbar sind und schicke das Foto dann an das Support-Team des entsprechenden Spiels.

Je nach Schweregrad und Häufigkeit der Beleidigungen werden die Täter*innen dann für eine gewisse Zeit oder auch für immer für das entsprechende Spiel blockiert und können nicht mehr daran teilnehmen.

2. Täter*innen muten (Stumm schalten)

Wirst du während eines Spiels beleidigt, hast du in manchen Spielen die Möglichkeit, die Täter*innen zu muten beziehungsweise stumm zu schalten. So empfängst du die Nachrichten der Täter*innen nicht mehr und kannst in Ruhe weiterspielen. Das ist eine gute Möglichkeit, um Beleidigungen kurzfristig aus dem Weg zu gehen. Langfristig würde ich dir jedoch empfehlen, die Täter*innen zu melden, da nur so Schritte gegen sie eingeleitet werden können.

3. Das Spiel verlassen

Wenn du dich unwohl fühlst, da entweder du oder deine Mitspieler*innen beleidigt werden, hast du jederzeit die Möglichkeit, das Spiel zu verlassen. In manchen Spielen wirst du unter Druck gesetzt, das Spiel nicht zu verlassen, da du sonst für einen gewissen Zeitraum gesperrt wirst. Lass dich davon jedoch nicht einschüchtern und denke immer zuerst an dein Wohlergehen. Videospiele sind dafür da, dir Freude zu bereiten und wenn es sich für dich in dem jeweiligen Moment nicht gut und richtig anfühlt, dann zögere nicht das Spiel zu verlassen. Du hast außerdem auch die Möglichkeit, nie wieder zum Spiel zurückzukehren. Höre hier auf deine Gefühle und treffe eine Entscheidung, die für dich und dein Wohlergehen gut ist.

4. Polizei einschalten

Falls du dich akut und vor Ort bedroht fühlst, dann kannst du jederzeit die 110 wählen. Wenn es nicht um den sofortigen Schutz deiner Sicherheit geht, die Situation jedoch immer weiter eskaliert, hast du die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. Wie ich schon in meinem letzten Beitrag zum Thema „Hate Speech“ erwähnt habe, können manche Aussagen nämlich als Straftat eingestuft werden.

Bei der App und Internetseite www.hassmelden.de musst du dich nicht selbst um die Anzeige kümmern, sondern kannst den Link zu der entsprechenden Aussage einfach dort einfügen. Falls die Beleidigungen nicht gegen dich gingen, kannst du anonym bleiben. Falls es sich jedoch um eine Beleidigung/Bedrohung gegenüber dir handelt, kannst du nicht anonym Anzeige erstatten, sondern musst dich zu erkennen geben. Unter hassmelden.de wirst du aber auch hierzu beraten und unterstützt.

Außerdem kannst du dich auch selbst um eine Anzeige kümmern und in den meisten Bundesländern bei der jeweiligen Polizeidienststelle sogar online Anzeige erstatten. Weitere Infos hierzu findest du ebenfalls in meinem letzten Beitrag.

5. Schütze deine persönlichen Daten

Damit es erst gar nicht so weit kommt, dass du dich akut vor beispielsweise deiner eigenen Haustür bedroht fühlst, empfehle ich dir, persönliche Daten wie deinen echten Namen, deine Anschrift oder Ähnliches nicht in den Videospielen preiszugeben. Belässt du es ausschließlich bei deinem Namenspseudonym im Spiel, läufst du auch nicht Gefahr, dass dich Mitspielende auf anderen sozialen Plattformen weiter belästigen.

6. Durchatmen

Zum Abschluss möchte ich dir noch mitgeben, dass es manchmal auch schon sehr hilfreich sein kann, einfach mal tief Luft zu holen und vollständig auszuatmen. Probiere es mal für ein paar Atemzüge aus, das wirkt sehr beruhigend.

Mit diesem Punkt will ich sagen, dass es sich für dich lohnen kann, wenn du dir bei einer Beleidigung einen tiefen Atemzug und eine kleine Pause zum Nachdenken gönnst, bevor du auf die Beleidigung reagierst. Manchmal hilft es schon, wenn man selbst nicht weiter auf die Beleidigung eingeht und die Situation sich somit nicht weiter zuspitzt.

Quellen:

https://hassmelden.de/ https://www.lhr-law.de/magazin/cybermobbing-in-onlinespielen-auswirkungen-fuer-spieler-und-herausgeber/ https://www.lmz-bw.de/medien-und-bildung/jugendmedienschutz/cybermobbing/cybermobbing-was-ist-das/ https://www.mobbing-beenden.de/folgen-von-mobbing.html https://www.spieleratgeber-nrw.de/Problematisches-Verhalten-in-Online-Spielen.4974.de.1.html

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