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Ein Ausweg aus der Trauer – was tun, wenn alles sinnlos erscheint?

Warum es wichtig ist zu trauern. Und warum es noch wichtiger ist, nach vorne zu schauen.

Christina Stommel

Jeder, der schon einmal den Verlust eines geliebten Menschen ertragen musste, weiß, wie sich Trauer anfühlt. Die große Leere, die auf einmal da ist und die sich durch nichts füllen lässt. Alles erscheint aussichtslos, denn wie soll man ohne diese eine Person weitermachen? Christina Stommel zeigt, warum es wichtig ist zu trauern und warum es noch wichtiger ist, nach vorne zu schauen.

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist hart und wir alle durchleben eine Welle der Gefühle, die kein Ende zu nehmen scheint. Traurigkeit, Wut, Fassungslosigkeit und Verzweiflung bestimmen den Alltag und jeder Tag wird zu einem Kampf. Denn der Verlust eines nahestehenden Menschen hinterlässt eine schmerzliche Lücke und es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass man nie wieder mit dieser einen Person reden und lachen wird.

Umgang mit Trauer

Vielleicht befindest auch du dich gerade in einer solchen Situation und weißt nicht, wie du mit deiner Trauer umgehen sollst. Hast du das Gefühl, dass du vielleicht ganz alleine bist und niemand dich versteht? Hast du Angst, über deine Gefühle zu sprechen oder möchtest keine Schwäche zeigen?

Ich selber habe vor 10 Jahren meine Mama an Krebs verloren und musste selber einen Ausweg aus meiner Trauer finden. Das war nicht immer leicht, aber ich habe einen Weg gefunden, damit umzugehen und auch du wirst das schaffen. Um dich dabei zu unterstützen, möchte ich meine Erfahrungen mit dir teilen und zeigen, dass auch du nach vorne schauen kannst.

Lass deine Trauer zu. Du brauchst nicht immer stark sein

Ganz am Anfang fällt es uns schwer, überhaupt zu akzeptieren, was passiert ist. Wir versuchen weiterzumachen und tun so, als wäre alles ok. Wir wollen stark sein gegenüber unseren Eltern, Geschwistern oder Freunden. Wir wollen zeigen, dass uns nichts aus der Bahn wirft und wir „damit umgehen“ können. Gefühle zu unterdrücken mag am Anfang sogar leichter sein als sie offen auszuleben, denn wir müssen uns somit nicht mit der Situation beschäftigen und können alles ein wenig verdrängen.

Stark sein zu wollen ist ok, aber die eigenen Gefühle und Emotionen zeigen zu können, ist noch viel wichtiger. Lass deine Trauer zu. Es ist ok zu weinen, wütend zu sein und alles infrage zu stellen. Das ist dein gutes Recht, denn du durchlebst gerade eine schwierige Zeit. Friss deine Trauer nicht in dich hinein, sondern zeige ganz offen, dass es dir gerade nicht gut geht. Denn nur so kannst du deine Trauer überhaupt akzeptieren und lernst damit umzugehen.

Lass dein Umfeld teilhaben. Friss nicht alles in dich hinein

Trauern wir um einen geliebten Menschen, dann fühlen wir uns oft alleine und unverstanden. Freunde und Familie wirken auf einmal wie Fremde, denn wie sollen sie die eigene Trauer nachvollziehen können? Wir verschließen uns, ziehen uns zurück und sind damit mit all unseren Gedanken und Sorgen alleine. Zeit für sich selbst zu haben ist wichtig, wenn wir trauern, aber trotzdem solltest du nicht alles mit dir selbst ausmachen. Such dir jemanden zum Reden oder vielleicht auch nur zum Zuhören. Auch wenn deine Trauer niemand nachvollziehen kann, vielleicht nicht einmal du selbst, so hilft es doch, sich jemandem anzuvertrauen und seine Gedanken zu teilen. Mach dir bewusst, dass du nicht alleine bist und wende dich an Freunde, Familie, eine Beratungsstelle oder einen Lehrer. Sich jemandem anzuvertrauen, wird dir eine große Last von den Schultern nehmen und dir neue positive Energie geben.

Rückfälle sind ok, denn Trauer folgt keinem Schema F

Wie eine Trauerphase genau verläuft, lässt sich meiner Meinung nach an keinem festen Schema festhalten. Jede Person trauert anders und das ist auch ok so. Es gibt hier kein richtig oder falsch, sondern nur das, was für die entsprechende Person gerade richtig ist und sich richtig anfühlt.

Auch wenn es sich besonders am Anfang nicht so anfühlen wird – es wird dir besser gehen. Du hast dein Umfeld, das dich unterstützt und du gehst offen mit deiner Trauer um, was zwei sehr wichtige Dinge sind. Lass dich von „schlechten Phasen“ nicht unterkriegen. Wenn dich die Trauer wieder einholt, dann lass es zu. Es ist ganz normal, dass dich bestimmte Dinge, Erinnerungen oder Situationen an die Person erinnern und dich solche Momente wieder ein wenig aus der Bahn werfen. Versuch dir nur hier immer wieder bewusst zu machen, wie weit du schon gekommen bist und erinnere dich an all die guten Momente in diesen Zeiten. Und auch hier gilt: Du bist nicht alleine.

Mach das, was dir gut tut und versuche eine positive Einstellung zu haben

In Zeiten, in denen es einem nicht so gut geht, ist es umso wichtiger, sich immer wieder die Dinge in den Kopf zu rufen, die unser Leben lebenswert machen und auf die wir uns freuen. Wenn wir trauern, fällt uns das vielleicht schwerer, aber es ist möglich und ein weiterer wichtiger Schritt, um unsere Trauer zu verarbeiten und stärker aus dieser hervorzugehen. Versuch dir also die Dinge in den Kopf zu rufen, die du gerne machst und lenke dich ab mit Aktivitäten, die dir Spaß machen. Ausgehen, Sport machen, kochen oder ein neues Buch anfangen. Es wird am Anfang etwas Überwindung kosten, aber du wirst schnell merken, dass dir diese Ablenkung sehr guttun wird. Sei es, dass sie dich auf andere Gedanken bringt und dir auch bewusst macht, dass das Leben auch schöne Dinge für dich bereithält. Oft hilft es auch, sich ein Ziel zu setzen: 10.000 Schritte am Tag laufen, eine neue Sprache lernen oder die eigene Wohnung oder das Zimmer endlich ordentlich halten.

Trauern ist wichtig, aber noch wichtiger ist es nach vorne zu schauen

Trauern ist nichts, weswegen du dich schämen oder verstecken solltest. Trauer ist wichtig, damit du einen Schicksalsschlag richtig verarbeiten kannst. Wichtig ist, dass du so trauerst, wie du es brauchst. Es gibt kein „zu viel“ und kein „zu wenig“ und auch kein „zu schnell“ oder „zu langsam“. Alles passiert in deinem eigenen Tempo. Lass deine Gefühle zu, wende dich an deine Mitmenschen und lenke dich mit Dingen ab, die dir guttun und setze dir neue Ziele.

Die Zeit macht viele Dinge besser und eine glückliche Einstellung zum Leben ist immer möglich - es kommt am Ende drauf an, was du selbst daraus macht und mit wem du dich umgibst. Nach vorne zu schauen mag nicht immer einfach sein, aber ich bin mir sicher, dass du das schaffen wirst, denn dein Leben hält noch so viele schöne Momente für dich bereit.

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