Was kann ich tun, wenn ich Hate Speech beobachte?

Wir verbringen immer mehr Zeit online und so findet mittlerweile auch ein großer Teil unserer Kommunikation im Internet statt. Leider begegnen wir dadurch auch immer häufiger Hate Speech.

Anna Seger

Im letzten Blogbeitrag hat Helene erklärt, was Hate Speech überhaupt ist und wie man als Betroffener dagegen vorgehen kann. In diesem Beitrag erfährst du, was man tun kann, wenn man Hate Speech als Außenstehender beobachtet. Selbst wenn uns Hate Speech Aussagen nicht direkt selbst betreffen, rufen sie dennoch ein ungutes Gefühl und den Wunsch, etwas dagegen tun zu können, in uns aus. Häufig fühlen wir uns hilflos und entscheiden uns deshalb dem Kommentar oder der Aussage keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Das hat den Vorteil, dass Hater*innen die Aufmerksamkeit, welche er*sie sich durch seinen Beitrag von dir erhofft, nicht bekommt. Der Nachteil ist jedoch, dass viele Hater*innen sich dadurch in ihren Aussagen bestätigt fühlen, da niemand etwas gegen ihre Aussage sagt.

Wenn wegschauen keine Option ist, was kann ich dann tun, wenn ich Hate Speech beobachte?

1. Sei solidarisch

Wenn du mitbekommst, dass jemand von Hate Speech betroffen ist, dann zeige der Person, dass sie nicht alleine ist. Du kannst beispielsweise eine Privatnachricht an die betroffene Person schreiben und fragen, ob du ihr irgendwie helfen kannst. Ist nicht nur eine einzelne Person, sondern eine ganze Gruppe von Menschen betroffen, dann zeige beispielsweise in einem Kommentar, dass du die Meinung der Hater*innen nicht teilst. Weitere Tipps hierzu findest du beim nächsten Punkt, der Counter Speech.

2. Counter Speech (Gegenrede)

Counter Speech bedeutet, dass du freundlich und mit Verstand, aber dennoch laut gegen Hate Speech vorgehst. Du reagierst beispielsweise auf einen Post oder Kommentar und machst deutlich, dass du Diskriminierungen, Generalisierungen und Herabwürdigungen nicht einfach hinnimmst. Du unterstützt somit vor allem die Betroffenen von Hate Speech, da sie so merken, dass sie nicht alleine sind. Auch stille Mitleser kannst du positiv beeinflussen, denn so lesen sie nicht nur die Hasskommentare, sondern auch freundliche Gegenkommentare.

Wie funktioniert Counter Speech?

Es gibt viele Möglichkeiten, Counter Speech umzusetzen. Du kannst Hater*innen beispielsweise auffordern, ihre angeblichen „Fakten“ zu belegen. Frage sie beispielsweise nach der Quelle ihrer Information, wie: „Wo hast du diese Information denn her? Ich würde das gerne einmal nachlesen“. Oft übernehmen Hater*innen nämlich einfach Aussagen von anderen Hater*innen und es gibt gar keine Quellen, welche den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen stützen.

Falls du Gegenargumente parat hast, kannst du diese natürlich gerne einbringen. Du änderst damit zwar meist nicht die Meinung der Hater*innen, aber du kannst die stillen Mitleser positiv beeinflussen. Außerdem kannst du auch mit Humor und lustigen Sprüchen oder Memes reagieren. Beispiele dazu findest du hier.

Hast du keine Zeit und Energie, dich tiefer mit dem der Hate Speech Aussage auseinanderzusetzen, kannst du auch einfach so was schreiben wie „Sehe ich nicht so“ oder „Ich stimme nicht zu“. Das zeigt den Hater*innen zumindest, dass nicht jeder ihre Meinung teilt und Betroffene von Hate Speech sehen, dass sie nicht alleine sind.

3. Kenne deine Grenzen

Ganz wichtig ist, dass du auch mal durchatmest und weißt, wo deine Grenzen sind. Sich mit Hate Speech auseinanderzusetzen kann schnell belastend werden, da sobald du auf eine Aussage reagierst, es meistens auch Kommentare gegen deine Aussage geben wird. Die ganze Diskussion wird oft sehr schnell, sehr emotional. Unsachliche Kommentare helfen jedoch niemandem weiter.

Antworte deshalb nicht immer sofort, sondern nimm dir etwas Zeit, um die Sache mit mehr Abstand zu betrachten. Das wird dir helfen, keine vorschnellen Kommentare zu hinterlassen, die oft hoch emotional sind und schnell beleidigend werden.

Du musst außerdem nicht auf jede Hate Speech Aussage reagieren, denn das ist alleine zeitlich gesehen gar nicht möglich. Überlege dir deshalb gut, ob du dich mit einer Hate Speech Aussage selbst beschäftigen möchtest oder ob du sie lieber meldest, beziehungsweise Anzeige erstattest, wie in Punkt 4 und 5 beschrieben. Entschließt du dich dazu, selbst auf die Aussage zu reagieren, ist es natürlich trotzdem sinnvoll, Punkt 4 und/oder 5 zusätzlich auszuführen.

4. Hate Speech melden

Findest du Hate Speech-Beiträge oder Kommentare in sozialen Netzwerken wie beispielsweise Instagram, Facebook oder YouTube, hast du die Möglichkeit, diese der entsprechenden Plattform zu melden. Meist kannst du neben dem Beitrag oder Kommentar auf „…“ drücken oder zur Seite wischen und dann findest du beispielsweise den Button „Beitrag melden“. Leider werden nicht alle Hate Speech Aussagen richtig von den sozialen Plattformen eingeschätzt und deshalb führt nicht jede Meldung zum Erfolg. Trotzdem kann es funktionieren und es lohnt sich, es wenigstens zu probieren!

Cybermobbing Toolbox: So blockierst du Leute auf Whatsapp, Instagram und Co.

5. Anzeige erstatten

Zusätzlich zu der Meldung des Beitrags kannst du auch Anzeige gegen Hater*innen erstatten, da Hate Speech je nach Inhalt der Aussage als Straftat eingestuft wird. Dies kann dann zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe führen. Dank der App und Internetseite www.hassmelden.de musst du dich nicht selbst um die Anzeige kümmern, sondern kannst den Link zu der entsprechenden Hate Speech Aussage einfach dort einfügen. So bleibst du jederzeit sicher und anonym.

Möchtest du lieber selbst Anzeige erstatten, hast du jederzeit die Möglichkeit, das zu tun. Du kannst dich dafür an die Polizei in deinem Bundesland wenden und in fast allen Bundesländern sogar online Anzeige erstatten. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat in ihrem Beitrag zum Thema Hate Speech unter Punkt 3 die entsprechenden Dienststellen der Bundesländer verlinkt. Du kannst den Beitrag hier aufrufen.

6. Sorge für deine Sicherheit

Denke bitte immer daran, dich selbst zu schützen. Wenn du aufgrund deines Engagements gegen Hate Speech bedroht wirst und dich unsicher fühlst, dann wende dich an die Polizei unter der Nummer 110. Wenn du nicht das Gefühl hast, dass du sofort Hilfe brauchst, aber trotzdem die Polizei einschalten möchtest, dann melde dich online oder telefonisch bei der Polizeidienststelle deiner Stadt.

Schütze außerdem deine Accounts, indem du sichere Passwörter verwendest und eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivierst. Das bedeutet, dass du die Identität deiner Person über zwei verschiedene Verfahren nachweist. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, einen PIN-Code auf sein Handy geschickt zu bekommen, welchen du dann zusätzlich zum Passwort eingeben musst, um dich einloggen zu können.

Quellen:

https://www.aktionsbuendnis-brandenburg.de/was-tun-gegen-hate-speech

https://www.bpb.de/252408/strategien-gegen-hate-speech

https://hassmelden.de/

https://no-hate-speech.de/de/

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