5 Mythen über Menschen mit Depressionen

Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich am meisten unterschätzten Erkrankungen. Wir klären über 5 Mythen über Menschen mit Depressionen auf, die du kennen solltest!

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Mehr Informationen zum Thema Depression findest du unter www.barmer.de/psychische-erkrankungen

Ann-Christin Engler

Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen.¹ Trotzdem ist diese Erkrankung ein großes Tabuthema. Es ist also nicht leicht, herauszufinden, wie sich Menschen mit Depressionen wirklich fühlen. Dadurch entstehen leicht Vorurteile oder Missverständnisse. In diesem Artikel lernst du 5 Mythen über Depressionen kennen. Wir klären auf, warum sie nicht stimmen und was stattdessen richtig ist.

Mythos #1: Menschen mit Depressionen sind verrückt

Viele denken, dass Menschen mit Depressionen besessen oder einfach verrückt sind. Das stimmt auf keinen Fall. Eine Depression kann mit konkreten Auslösern in Verbindung gebracht werden. Solche Auslöser können zum Beispiel Situationen sein, in denen sich Betroffene überfordert fühlen, Streitigkeiten in der Familie haben oder den Verlust einer nahestehenden Person erleben. Außerdem können wir eine Veranlagung zur Entwicklung einer Depression besitzen. Diese kann sich z.B. durch Traumatisierungen oder Missbrauchserlebnisse in der Kindheit entwickeln oder auf genetischen Faktoren beruhen. Es werden also bei der Betrachtung einer Depression immer biologische und psychologische bzw. psychosoziale Aspekte mit einbezogen. ²

Mythos #2: Menschen mit Depressionen weinen den ganzen Tag

Betroffene leiden unter einer gedrückten Grundstimmung, sind antriebslos und empfinden weniger Interesse und Freude. ³ Das heißt jedoch nicht, dass Menschen mit Depressionen ausschließlich traurig sein müssen. Oft verläuft die Erkrankung in Wellen. Es gibt Tage, an denen die Symptome schlimmer sind und Tage mit besserer Stimmung. Es lohnt sich also, darauf zu achten, was guttut und angenehme Gefühle hervorruft. Es ist für Menschen mit Depressionen nicht unmöglich, Freude zu empfinden. Gleichzeitig bedeutet ein guter Tag nicht gleich, dass die Erkrankung vorbei ist.

Mythos #3: Menschen mit Depressionen „stellen sich einfach nur an“

Eine Depression ist eine ernsthafte, unter Umständen sogar lebensbedrohliche Erkrankung, die jedoch mit professioneller Hilfe gut behandelbar ist. ⁴ Betroffene gelten oft als schwach, irgendwie „kaputt“ oder sonst zu nichts mehr zu gebrauchen. Das Gegenteil stimmt jedoch viel mehr. Es gehört unglaubliche Stärke dazu, sich Hilfe zu holen und die eigene Situation ernst zu nehmen. Ein paar aufmunternde Worte, wie „das wird schon wieder“ reichen da bei Weitem nicht aus. Menschen mit Depressionen fällt es oft schwer, Entscheidungen zu treffen. Sie können sich schlechter konzentrieren und leiden unter Schuld- oder Minderwertigkeitsgefühlen. Die Belastung dadurch kann so schlimm sein, dass sich Betroffene sogar das Leben nehmen wollen. Sich trotzdem jemandem anzuvertrauen zeugt von großer Kraft und einem starken Lebenswillen. Mit der Hilfe von der/dem Hausärztin und Fachleuten (Psycholog:innen, Therapeut:innen) gelingt es, die Depression als Erkrankung ernst zu nehmen und gemeinsam nach vorne zu schauen und an einer Heilung zu arbeiten.

Mythos #4: Menschen mit Depressionen sind unheilbar krank

Wie schon beschrieben ist die Depression eine gut behandelbare Erkrankung. Es herrscht trotzdem das Vorurteil, dass Menschen mit Depressionen abhängig von ihren Medikamenten werden und nie wieder aus dem Tal der Tränen herausfinden. Das stimmt nicht, denn es gibt verschiedene Behandlungsformen, die für Betroffene unterschiedlich relevant sind. Medikamente wie Antidepressiva wirken auf Ungleichgewichte im Gehirn. Sie bringen so relativ schnell eine Linderung der Symptome, da zum Beispiel Glückshormone wieder freigesetzt werden können. Sie machen weder süchtig, noch verändern sie die Persönlichkeit. Sie helfen viel mehr dabei, einen Rückfall zu verhindern. Manche Menschen mit Depressionen haben eine depressive Phase, auch genannt Episode. Andere Betroffene durchleben mehrere Episoden. Eine Psychotherapie kann helfen, diese Phasen zu erkennen und mit belastenden Situationen des Alltags umzugehen. Durch Gespräche und Übungen werden negative Gedankenmuster aufgedeckt und in hilfreiche Gedanken verändert. Zusätzlich wirkt sich regelmäßige Bewegung positiv auf das Wohlbefinden aus und unterstützt so den Heilungsprozess. Durch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst, lernen Menschen mit Depressionen viel über sich und gut für sich zu sorgen. Das hilft, mit der Erkrankung langfristig gut umzugehen.

Mythos #5: Menschen mit Depressionen sind allein

Dadurch, dass Betroffene sich scheuen, offen über ihre Erkrankung zu sprechen, kann es leicht so wirken als seien sie Einzelfälle. Das stimmt ganz und gar nicht, denn allein in Deutschland erkranken innerhalb eines Jahres 8,2% der Bevölkerung an einer Depression ⁵ Das sind über 5 Millionen Menschen. Es gibt ein großes Netzwerk aus Hilfestellen, an die sich Menschen mit Depressionen wenden und Unterstützung finden können.

Krisenchat.de ist eines dieser Hilfsangebote, speziell für junge Menschen. Mit diesem und anderen Ratgeber Artikeln möchten wir dir Wissen und Fakten über Menschen mit Depressionen mit auf den Weg geben. So kannst du falsche Vorurteile und Mythen von der Realität unterscheiden und dich besser in Menschen mit Depressionen hineinversetzen.

QUELLEN: 1) https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/haeufigkeit 2) https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/diagnose-der-depression 3) https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/diagnose-der-depression 4) https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression 5) https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/haeufigkeit

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