Toxische Beziehungen – wenn Liebe mehr schadet als guttut

Liebesbeziehungen sind ein Thema, dass viele von uns mit Schmetterlingen im Bauch und einem breiten Grinsen verbinden. Leider kann Liebe aber auch sehr schmerzhaft sein und uns zur Verzweiflung bringen. Nicht jede Beziehung tut uns gut.

Anna Seger

Toxisch bedeutet giftig und etwas das giftig ist, schadet uns und tut uns nicht gut. Da jeder von uns einmalig ist, sind auch für jeden von uns unterschiedliche Dinge giftig. Für den einen ist eine Fernbeziehung genau das Richtige, für jemand anderen würde das niemals infrage kommen. Dann gibt es wiederum Personen, für die Eifersucht ein absolutes Gift in der Beziehung ist, für jemand anderen sind es ständige Streitereien. Insgesamt ist das Problem einer toxischen Beziehung, dass sie uns langfristig mehr Kraft und Energie kostet, als sie uns zurückgibt.

Was genau für dich giftig ist und dir nicht guttut, musst du selbst herausfinden. Oft ist es jedoch gerade in einer turbulenten Liebesbeziehung gar nicht so leicht, seine Gefühle und Gedanken richtig einzuordnen. Im nächsten Abschnitt möchte ich dir deshalb ein paar Anregungen für die Einschätzung deiner Beziehung geben.

Wie erkenne ich ob ich in einer toxischen Beziehung stecke?

Du kannst dir das so vorstellen: Wenn du deiner lebendig strahlenden Zimmerpflanze jeden Tag etwas Dünger gibst, den sie nicht verträgt, wird es ihr jeden Tag ein klein bisschen schlechter gehen. Falls der Dünger nicht hochgiftig ist, bemerkst du vielleicht längere Zeit gar nicht, dass du deiner Pflanze schadest. Spätestens nach ein paar Wochen siehst du aber, dass deine Pflanze immer mehr an Glanz verliert und zu verwelken droht, wenn du nicht aufhörst, sie zu düngen. Auch Menschen können ihren äußeren und inneren Glanz verlieren, wenn sie ständig etwas Toxischem ausgesetzt sind. So kann eine toxische Beziehung dazu führen, dass du dich innerlich unglücklich und kraftlos fühlst und auch nach außen hin dein Lächeln und deine Lebensfreude immer mehr verlierst.

Falls du dir unsicher bist, ob du in einer toxischen Beziehung steckst, beantworte einmal ganz in Ruhe und nur für dich die folgenden Fragen:

  1. Fühlst du dich nach einem Treffen mit deinem Partner/deiner Partnerin öfter niedergeschlagen/kraftlos/traurig?

  2. Fühlst du dich während der gemeinsamen Zeit mit deinem Partner/deiner Partnerin häufig fehl am Platz und unwohl?

  3. Hast du häufiger das Gefühl, dass du nicht gut genug für deinen Partner/deine Partnerin bist?

  4. Fragst du dich selbst vermehrt, ob die Beziehung wirklich das Richtige für dich ist?

  5. Haben deine Freunde/deine Familie dich in letzter Zeit gefragt, ob bei dir alles in Ordnung ist, weil du weniger fröhlich wirkst?

  6. Hast du bedeutend weniger Kontakt zu deinen Freund*innen und vielleicht sogar schon Freund*innen aufgrund der Beziehung verloren?

  7. Wartest du immer wieder vergeblich auf eine Entschuldigung, wenn dein Partner/deine Partnerin dich verletzt hat?

  8. Hast du dich schon häufiger für Dinge entschuldigt, nur damit alles wieder gut ist und nicht weil es dir wirklich leid tut?

  9. Bemerkst du bei dir selbst körperliche Symptome wie Verspannungen, Unruhe, Atemprobleme, Magen-Darm-Probleme oder Schlafprobleme?

Falls du mehrere der Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, könnte es sein, dass du eine toxische Beziehung führst. Ob die Beziehung wirklich toxisch ist, kannst nur du ganz alleine wissen und deshalb empfehle ich dir auf dein Bauchgefühl zu hören.

Falls du für dich selbst erkannt haben solltest, dass du dich in einer toxischen Beziehung befindest, stellst du dir jetzt wahrscheinlich folgende Frage:

Was kann ich tun, wenn meine Beziehung toxisch ist?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten und vielleicht sind auch nicht alle passend für dich. Eine kleine Auswahl an Vorschlägen möchte ich dir gerne im Folgenden mitgeben. Falls du dich in einer toxischen Beziehung befindest, wirst du um die folgende Frage nicht herumkommen:

1. Hat es einen Sinn, an der Beziehung zu arbeiten?

Diese Frage können nur du und dein Partner/deine Partnerin beantworten. Eine wichtige Voraussetzung, um an der Beziehung arbeiten zu können, ist, dass du und dein Partner/deine Partnerin bereit seid über die Dinge zu sprechen, die dich oder euch belasten. Falls auch nur einer von euch nicht zu Gesprächen und somit Veränderungen bereit ist, wird es nahezu unmöglich, an der Beziehung zu arbeiten.

2. Suche dir Unterstützung

Egal ob du schon die Entscheidung getroffen hast, die Beziehung zu beenden, gemeinsam mit deinem Partner/deiner Partnerin an der Beziehung arbeiten willst oder dir noch nicht sicher bist: Es ist in jeder Phase sinnvoll, wenn du dir Unterstützung suchst. Diese Unterstützung können Freund*innen, deine Familie oder auch Beratungsangebote wie krisenchat.de sein. Es kann sehr guttun, seine Gedanken und Gefühle mit jemand anderem zu teilen und diese schwierige Phase nicht alleine durchzustehen.

3. Finde zu dir zurück

Auch dieser Punkt ist, egal für welchen Weg du dich entscheidest, relevant. Falls du bemerkt hast, dass du dich durch die Beziehung selbst etwas verloren und aufgegeben hast, ist es wichtig, dass du wieder zu dir zurückfindest. Du bist immer noch du und hast deine eigenen Interessen und Vorlieben. Du selbst zu sein und dir Zeit für die Dinge zu nehmen, die du magst, ist eine Grundvoraussetzung für ein glückliches Leben und eine funktionierende Beziehung. Denn nur wenn du selbst mit deinem Leben zufrieden bist, kannst du auch eine zufriedenstellende Beziehung führen.

Überlege dir also einmal in Ruhe, was deine Interessen sind und ob du diese vielleicht ein Stück weit für die Beziehung aufgegeben hast. Du kannst dir dabei folgende Fragen stellen: Was habe ich vor meiner Beziehung gerne in meiner Freizeit gemacht? Was wollte ich schon immer einmal tun?

Welche Menschen außer deinem Partner/deiner Partnerin sind dir noch wichtig? Schreibe dir die Antworten am besten auf und überlege dir dann, was davon du gerne wieder vermehrt machen würdest.

4. Lerne dich selbst zu lieben

Sich selbst nicht zu lieben und zu akzeptieren kann zu einer toxischen Beziehung führen oder auch das Ergebnis einer toxischen Beziehung sein. Bist du beispielsweise aufgrund von Erfahrungen in deiner Vergangenheit der Meinung, dass du selbst nichts wert bist oder nie gut genug sein wirst, lässt du dich dadurch eventuell auf einen Partner/eine Partnerin ein, die dir absolut nicht guttut.

Es könnte aber auch der Fall sein, dass du den besten Partner/die beste Partnerin hast, den/die du dir nur vorstellen kannst, du eure Beziehung aber aufgrund von Selbstzweifeln extrem strapazierst. Für eine gesunde Beziehung ist es deshalb immer wichtig, sich selbst zu akzeptieren und sich selbst lieben zu lernen. In meinem letzten Beitrag zum Thema “Selbstliebe” habe ich einige praktische Tipps zusammengestellt, die dir dabei helfen können, dich selbst mehr lieben zu lernen.

Quellen:

https://lexikon.stangl.eu/24451/toxische-beziehung/

https://systemischeberatung-kiel.de/ich-kann-nicht-gehen-ueber-toxische-beziehungen-und-ihre-auswirkungen/

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