Trans* - der Weg zum richtigen Geschlecht

Es gibt Menschen, die sich in ihrem Körper sehr fremd fühlen. Sie werden mit einem Geschlecht geboren, mit welchem sie sich nicht identifizieren können. Solche Menschen nennt man Transpersonen, Transgender oder Transmensch.

Joyce

Bevor du den Beitrag liest: Der Artikel enthält sensible Inhalte, die bei Dir womöglich etwas auslösen oder anstoßen könnten. Wir möchten dich auch darauf hinweisen, dass es sich um einen Blog-Artikel handelt.

Transpersonen wünschen sich oft einen anderen Körper, denn mit dem eigenen sind sie nicht zufrieden. Dieser Artikel beschreibt den langen Weg zum richtigen Geschlecht. Solltest du dich bereits als Transmensch identifiziert haben, kann der Artikel helfen, was du tun kannst und wie ein Weg bis zur Geschlechtsangleichung aussehen kann, aber nicht muss.

Die ersten Schritte

Zuallererst ist es wichtig, dass du weißt, dass eine Geschlechtsangleichung ein langer, anstrengender Weg ist. Eine Operation ist immer ein schwerer Eingriff und die Folgen können nicht rückgängig gemacht werden, daher müssen Transpersonen einiges annehmen. Der erste Schritt in Richtung Angleichung ist es, dass du mit deiner Krankenkasse sprichst. Das bedeutet, dass du mit ihnen in Kontakt trittst und du an Psychotherapeut:innen weiter verwiesen wirst. So eine Therapie ist wichtig, denn dort wird mit dir über die Folgen einer Geschlechtsangleichung gesprochen. Erfolgt die Diagnose Transsexualität, wirst du über das weitere Vorgehen genau aufgeklärt.

Ich bin trans* und jetzt?

Zusätzlich muss noch geschaut werden, wie fit du bist für die bevorstehenden Operationen. Dazu werden Untersuchungen durchgeführt. Für die Zeit bis zur Operation wird empfohlen, sich psychotherapeutische Begleitung zu holen. Die Therapeut:innen sind für dich da, wenn du Angst bekommst, unsicher wirst oder mit gewissen Entscheidungen nicht zurecht kommst. Eine angleichende Operation kann erst stattfinden, wenn du 18 Jahre alt bist. Viele fangen aber schon vorher mit einer Hormontherapie an.

Der Alltagstest

Bevor du mit der Hormontherapie anfangen kannst, musst du einen Alltagstest bestehen. Das bedeutet, dass du für einige Zeit- sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag - in dein gewünschtes Geschlecht schlüpfst. Du ziehst dich entweder als Mann oder als Frau an. Dieser Test soll zeigen, wie deine Umwelt auf dich reagieren wird und ob du mit dieser Konfrontation zurecht kommst. Es soll dir zeigen, was für Auswirkungen eine Angleichung auf Schule und Beruf hat, ob du mit den Blicken anderer klar kommst. Ärzte empfehlen, den Alltagstest für ein oder zwei Jahre zu machen.

Die Hormonvergabe

Hast du auch diesen Alltagstest positiv überstanden, ist es Zeit, mit einer Hormontherapie anzufangen. Dazu werden Hormone vergeben, die deinen Körper verändern. Transmänner bekommen das Hormon Testosteron. Es kommt dazu, dass die Körperbehaarung und der Bartwuchs zunehmen, die Geschlechtsorgane vergrößern sich und die Stimme wird tiefer. Transfrauen bekommen Östrogen. Das führt dazu, dass die Brust wächst, der Körper wird runder und weiblicher und die Geschlechtsorgane werden kleiner. Die Stimme verändert sich allerdings nicht und muss mit einer weiteren Operation verändert werden.

Es ist soweit! Die Operation kann beginnen

Eine geschlechtsangleichende Operation ist sehr aufwendig und es wird einiges gemacht. Bei Transfrauen werden Teile des Penis und des Hoden entfernt. Aus den noch bestehenden Geweben wird eine Vagina geformt. Zusätzlich können die Brüste operativ geformt werden. Vielen Transmännern wird empfohlen, die Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter zu entfernen, um das Krebsrisiko zu verringern. Einen Penis zu modellieren ist ein schwierigerer Eingriff. Dazu wird die vergrößerte Klitoris zu einem Penis geformt. Dieser hat anschließend nur eine Länge von 2 bis 2,5 Zentimeter, was für viele zu klein ist. Es gibt alternative Formen, bei denen Muskeln von den Armen, Beinen, Bauch oder Rücken entnommen werden. Aus diesen Muskelgeweben wird dann ein Penis geformt. Implantate werden genutzt, um Hoden nachzubilden. Diese Operationen sind ein schwerwiegender Eingriff und es kann passieren, dass Wunden nicht verheilen, Gewebe nicht zusammenwächst oder sensible Stellen nicht mehr sensibel sind.

Was passiert danach?

Du hast es geschafft! Du bist nun in deinem richtigen Körper angekommen. Es kann sein, dass nach der operativen Geschlechtsangleichung weiterhin Teile deines bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts sich zeigen können. Durch die Operationen und die Entfernung von Hoden und Eierstöcken müssen Hormone künstlich eingenommen werden – ein Leben Lang. Der Weg bis zum richtigen Geschlecht kann unterschiedlich lange dauern.

Hier nochmal 5 Tipps für deinen Weg:

  1. Solltest du das Gefühl haben, im falschen Körper zu sein, dann vertraue dich erstmal jemanden an.

  2. Versuche, Kontakt zu einer Beratungsstelle oder Psychotherapeuten aufzunehmen. Gemeinsam wird dann besprochen, wie DEIN Weg aussehen kann, damit auch du dich irgendwann wohlfühlen kannst.

  3. Versuche dich im Internet schlauzumachen, um dann mit deinen Eltern ins Gespräch zu kommen. Du kannst deine beste Freundin oder deinen besten Freund um Unterstützung bitten.

  4. Auch wenn der Drang ganz stark ist, dass alles sofort passieren soll, sei geduldig mit dir selber. Es ist ein langer Weg bis zur Geschlechtsangleichung und du solltest zu 100 Prozent sicher sein, dass es das ist. was DU willst.

  5. SEI STARK! Transsexualität ist keine Krankheit oder eine psychische Störung. Steh zu dir selber und zeig der Welt, wie einzigartig und wundervoll du bist. Nur so können Stigmata und Diskriminierung abgebaut werden. Es gibt kein Grund, sich zu verstecken!

Hilfreiche Links rund um das Thema:

Trans-Ident e.V.

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. WELT

Deutschlandfunk

Quellen:

Neumayer, I. (2020): Trans. Geschlechtsangleichung

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