Wie gehe ich mit Hate Speech um?

Hate Speech. Was bedeutet das eigentlich? Und was kann man als Betroffene*r dagegen tun? Die Ausbreitung von Hasskommentaren und deren Wahrnehmung im Netz nimmt immer weiter zu.

Helene Schmidt-Holzmann

Der Begriff Hate Speech (zu deutsch: Hassrede) ist ein Oberbegriff für das Phänomen der Menschenfeindlichkeit und bezeichnet sprachliche Handlungen gegen Einzelpersonen und/oder Gruppen mit dem Ziel der Abwertung oder Bedrohung aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer benachteiligten Gruppe in der Gesellschaft. Laut einer Umfrage der Medienanstalt Nordrhein-Westfalen haben bereits 96% der 14 bis 24-Jährigen (in Deutschland) Hasskommentare erlebt und gesehen.

Die Angst vor Hate Speech

Das Internet sowie Social-Media-Räume gewähren allen Menschen einen freien Zugang und enorme Vorteile: So können Menschen miteinander kommunizieren und Teil einer „Community“ werden, Meinungen äußern und austauschen und im besten Fall Freundschaften schließen. Doch die Kehrseite von Social Media ist groß - die Meinungsfreiheit im Netz bietet der Menschenfeindlichkeit einen Raum.

Doch so sehr die Meinungsfreiheit von hasserfüllten Menschen (auch „Hater“ genannt) ausgenutzt wird, halten sich Menschen, die dem Hass widersprechen, zurück. Die traurige, aber natürliche Wahrheit ist jene, dass Menschen Angst davor haben, selber Opfer von Hate Speech zu werden, wenn sie sich für betroffene Personen einsetzen. Dies führt dazu, dass die hasserfüllte Minderheit eine „Meinungshoheit vortäuscht und diese Minderheit sich gegenseitig befeuert – ihr Weltbild bestätigt und so von tatsächlichen Mehrheitsverhältnissen in der Gesellschaft entfremdet“.

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Wer ist von Hate Speech betroffen?

Die Diskriminierung kann ganz unterschiedliche Personen(-gruppen) treffen. Besonders LGBTIQ-Personen, das heißt, Lesben, Schwule, Bi-, Trans-, Intersexuelle und Queere stehen im Fokus von Hate Speech. Außerdem werden Menschen aufgrund ihrer Abstammung aus einem anderen Land, aber auch aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sozialen Herkunft oder ihres Aussehens durch Hasskommentare online angegriffen.

Wer steckt hinter Hate Speech?

Für Hate Speech sind sogenannte „Hater“ und „Trolle“ verantwortlich, welche zum Teil von Auftraggeber*innen beauftragt werden, um Unruhe in der Kommunikation einer Community zu stiften. Die Auftraggeber*innen verfolgen das Ziel, ihre Ideologien über “Hater” und “Trolle” an die User von sozialen Netzwerken und deren Communities weiterzugeben. Die Bezeichnung „Troll“ stammt aus dem Englischen von „trolling with bait“ und bezeichnet eine Angeltechnik, bei der eine Schleppangel von einem fahrenden Boot durch das Wasser gezogen wird. Übertragen auf die Netzkultur bedeutet dies, dass ein „Troll“ die Meinung der anderen Diskussionsteilnehmer*innen (User) beeinflussen und für sich gewinnen möchte, indem unterschwellige Provokationen geäußert werden, die auf eine Reaktion der User abzielen. Sogenannte „Hater“ richten ihre Kommentare dagegen konkret gegen die Personen(-gruppen), mit der Absicht, diese zu verletzen.

Doch was kann man tun, wenn man selbst von den Kommentaren eines „Haters“ betroffen ist? Wir von krisenchat.de haben im Folgenden einige Verhaltens- und Vorgehensweisen zusammengefasst, welche den Umgang mit Hate Speech als Betroffene*r erleichtern können.

1. Counter Speech (Gegenrede)

Viele Betroffene reagieren auf Hasskommentare mit Ignoranz, um „Hatern“ keine Aufmerksamkeit zu schenken, die sie darin bestärkt, weiterzumachen. Die Hoffnung besteht darin, dass “Hater” das Gefühl bekommen, dass ihre Kommentare nicht gesehen werden und sie diese in Zukunft unterlassen. Das ist grundsätzlich auch nicht falsch – es ist jedoch wichtig, „Hass nicht einfach stehen zu lassen, sondern Stellung zu beziehen“. Versuche dabei, dem „Hass nicht mit Hass zu kontern, sondern mit Argumenten, mit Humor und neuen Perspektiven“. Counter Speech kann nicht nur von Betroffenen, sondern auch von Außenstehenden umgesetzt werden. Anna Seger erklärt in ihrem Blogbeitrag, wie Counter Speech genau funktioniert und umsetzbar ist. Lies dir ihren Blogbeitrag gerne hier durch.

2. Kommentare an die sozialen Netzwerke melden

Hasskommentare bzw. Personen, welche unangemessene Inhalte verfassen, können den jeweiligen sozialen Netzwerken (wie Facebook, Instagram oder YouTube) gemeldet werden. Je nach sozialem Netzwerk geschieht dies anonym, sodass der oder die gemeldete User*in nicht erfährt, wer die Meldung veranlasst hat. Um genaueres über den „Meldungsvorgang“ zu erfahren, informiert euch unbedingt über die Sicherheits- und Gemeinschaftsrichtlinien der jeweiligen sozialen Netzwerke.

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3. Strafanzeige bei der „Internetwache“ stellen

Eine eher unbekannte Art und Weise mit Hate Speech umzugehen ist, diese bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft zu melden, da „Volksverhetzung, Beleidigungen und Drohungen in Deutschland definitiv Straftaten sind - und jede Strafanzeige dazu beiträgt, das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein für das Problem Hass im Netz zu stärken“. Dazu gibt es in einigen Bundesländern eine Internetwache (www.polizei.de), bei der man online eine Strafanzeige erstatten kann. Sachbearbeiter bewerten den Fall und und leiten ihn an die zuständige Dienststelle weiter. Bei Ankündigungen konkreter Gewalttaten wird auf den Polizeinotruf hingewiesen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ein Hasskommentar unter eine Straftat fällt, kann auch lediglich ein „Hinweis“ bei der zuständigen Internetwache angegeben werden.

4. Schütze dich selbst

Jetzt stellt sich dir wahrscheinlich die Frage - wie kann ich mich emotional vom negativen Einfluss von Social-Media distanzieren? Manchmal kann es guttun, das Handy für eine bestimmte Zeit auszuschalten oder wegzulegen. Plane daher einen digitalen Feierabend bzw. digitale Auszeiten ein. Dipl.-Psychologin Sophie Leisenberg rät dazu: “Eine stabile Verankerung in der Realität mit positiven Interaktionen und Aktivitäten ist eine gute Basis, um Hassrede besser aushalten zu können”. Vielleicht gibt es eine Person, mit der du dich in “real-life” über deine Gefühle bezüglich der erhaltenen Hasskommentare austauschen und dir Ratschläge einholen kannst. Und ganz wichtig - versuche die Hasskommentare nicht persönlich zu nehmen, denn “Hass ist psychologisch gesehen eine dysfunktionale Bewältigungsstrategie für Ängste, Selbstwert- und Zugehörigkeitszweifel, Kränkungen und komplexe Anpassungsanforderungen in Zeiten der Globalisierung.”

5. krisenchat.de ist rund um die Uhr für dich da!

Wenn du ebenfalls von Hate Speech betroffen bist und dich gerne jemandem anvertrauen würdest, dann sind wir von krisenchat.de rund um die Uhr (über WhatsApp/Sms) für dich erreichbar und bieten dir ein offenes Ohr. Viele unserer Krisenberater*innen haben selbst Hate Speech im Netz beobachtet und können dir hilfreiche Tipps zum Umgang mit Hate Speech geben. Wir stehen hinter dir!

Quellen:

https://no-hate-speech.de/de/wissen/

https://www.medienanstalt-nrw.de/fileadmin/user_upload/lfm-nrw/Service/Veranstaltungen_und_Preise/Ergebnisbericht_Hate_Speech_Sonderstudie_LFMNRW.pdf

https://www.bmbf.de/de/hasskommentare-bedrohen-die-demokratie-9067.html https://www.bpb.de/252396/was-ist-hate-speech#:~:text=Wenn%20Menschen%20abgewertet%2C%20angegriffen%20oder,oder%20Gruppen%20als%20Zielscheibe%20haben

https://www.polizei.de/Polizei/DE/Home/home_node.html

https://www.das-nettz.de/zeig-mir-den-schluessel-zur-bewaeltigung-von-hass-eine-psychologische-perspektive

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